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Schuldbewusst ging ich Lestat in geknickter Haltung hinterher.
„Wir können ausschließen, dass er hinter uns den Gang runter gegangen ist“, sagte Lestat feststellend, doch ich bemerkte, dass er ein Gähnen unterdrücken musste. „Immerhin ist dort nur die Treppe in das Kellergewölbe zu finden.“
Der ist doch eh schon längst über alle Berge, dachte ich niedergeschlagen.
Super, Morgan… Ganz toll hingekriegt.
„Am Besten teilen wir uns.“
Besser jetzt freiwillig, als wenn ich nachher unfreiwillig von Lestat geteilt werde, wenn Hanks nicht mehr auftaucht.
„Ich sehe zwar nichts, aber okay“, sagte ich schulterzuckend.
„Dann rate ich dir dringend trotzdem was zu sehen, wenn du meine Nerven nicht noch weiter strapazieren willst“, zischte Lestat mir drohend zu. Seine Laune war definitiv im Keller und ich sollte es tatsächlich nicht drauf ankommen lassen, sagte mir mein Gefühl.
„Du gehst rechts rum“, beschloss der Vampir. „Los, worauf wartest du?“
Ich seufzte und setzte mich in Bewegung. Über die Schulter rief ich Lestat zu: „Bin ja schon weg…“
Na klasse, ich kenn mich ja nicht einmal in diesem dämlichen Schloss aus. Nachher darf Lestat nicht nur Hanks suchen, sondern mich auch noch dazu.
Dummerweise hatte ich an keine Sturmlaterne gedacht, sodass ich im wahrsten Sinne des Wortes im Dunkeln tappte und keine Ahnung hatte, wo ich mich befand.
Ich verließ mich in diesem Moment auf mein für einen Menschen ausgezeichnetes Gehör. Hanks selbst war immerhin auch kein Übermensch. Ich wusste ihn zwar nicht genau einzuschätzen, ging aber nicht davon aus, dass er ein übermäßig talentierter Schleicher war.
Somit würde ich auf jeden Fall etwas von seiner Anwesendheit bemerken, wenn er sich durch einen Fehltritt verriet.
Ich selbst hatte mir im Laufe meines Lebens das Schleichen selbst beigebracht und beherrschte es ziemlich perfektioniert. In dieser Situation mein klarer Vorteil.
Nichtsdestotrotz brachte es mir nichts, wenn ich versehentlich irgendwo gegen lief, aufgrund meines eingeschränkten Sehvermögens.
So ging ich also auf Zehenspitzen den Gang entlang; stets darauf bedacht immer erst den nächsten Fuß abzusetzen, wenn der eine schon wieder fest auf dem Boden stand. Dies ermöglichte eine sehr leise Fortbewegung.
Meine Ohren waren gespitzt und ich nahm jedes Geräusch wahr. Dadurch, dass ich nichts sehen konnte, war der Gehörsinn in diesem Moment noch viel besser ausgeprägt als normalerweise.
Ich musste gerade um eine Kurve biegen, da bemerkte ich ein verräterisches Geräusch aus einem der Nebenzimmer, deren Türen an dem Flur lagen.
Es handelte sich um ein leises Rascheln. Dazu schien es direkt aus der Tür, die ich soeben zu meiner Rechten ertastet hatte, zu kommen.
Versau es jetzt nicht, Morgan!, dachte ich, schloss die Augen kurz, stieß dann die Tür auf und stellte mich breitbeinig in den Türrahmen. „HAB ICH DICH!“, rief ich triumphierend in den schwarzen Raum hinein.
Die Reaktion aus dem Zimmer blieb eher lasch, bis auf die Enttäuschung als ein kleines, faustgroßes Tierchen über meinen linken Fuß auf den Gang hüpfte. Drecksratten! Zu meinem Unglück hörte ich im nächsten Augenblick auch schon Schritte über den Flur eilen und Lestat stand kurz darauf neben mir.
„Du hast ihn?“ Seine Stimme klang sehr erleichtert.
Warum musste der genau in dem Moment in der Nähe sein?
Kopfschüttelnd verneinte ich. „Falscher Alarm… War nur ’ne Ratte.“
Der Vampir sagte gar nichts dazu. Er seufzte nur.
„Aber dein Gesuche schien ja auch nicht erfolgreicher?“

.Morgan.

 


Ich funkelte ihn böse an. "Ich bin noch nicht fertig. Hatte nur gehört, dass du ihn gefunden hast und bin zu dir gekommen." Mit diesen Worten drehte ich mich um und suchte weiter. Ich hatte jedoch schon eine Vermutung, wo er ungefähr sein könnte. Mit leisen Schritten ging ich in eines der beiden großen Zimmer, in denen eine Menge Bücher standen. Ich sah mich ganz genau um und versuchte auch das leiseste Geräusch zu hören. Doch alles blieb still und nichts war zu sehen.
Ich ging leise ins nächste Zimmer. Auch hier war, nach genauem Hinsehen, nichts zu finden. Kein Hanks, nicht einmal eine Spur von ihm.
Verdammt. Warum musste Morgan ihn auch entwischen lassen?! Idiot.
Doch natürlich gab ich nicht auf und suchte weiter. Ich ging vom Raum zu Raum - doch von Hanks keine Spur. Plötzlich tippte mich Morgan von hinten an und flüsterte: "Komm mit, ich habe etwas gehört." Ich folgte ihm. Wenigstens hören konnte er.
Morgan führte mich vor die Tür des Raumes, wo Armand und ich unseren Wein lagerten. Ich erinnerte mich sogleich an das eine Mal, an dem Morgan sich dorthin verirrt hatte und schließlich gut gefüllt auf dem Boden lag und schlief.
"Hörst du das?", flüsterte er.
Ich lauschte. Es waren tatsächlich Schritte zu hören. Ich nickte Morgan zu. "Da rein verlaufen sich wohl gerne Idioten", murmelte ich abweisend und riss mit einem Ruck die Tür auf.
Und tatsächlich war es der alte Hanks, den wir auf frischer Tat ertappten. Mir fiel ein gewaltiger Stein vom Herzen. Zum Glück hatte er den Weg aus dem Schloss nicht gefunden, sonst würde es nun schlecht für uns aussehen.
Ich überlegte nicht lange, packte ihn und schleifte ihn aus dem Zimmer. Hanks war sichtlich überrascht und schlug wild um sich. Ich hatte Mühe ihn festzuhalten. So ein alter Mann, wie er immer tat, war er wohl doch nicht. Doch Morgan machte kurzen Prozess und schlug ihm einmal fest in den Magen, damit er Ruhe gab. Ich nickte ihm dankend zu und schleifte Hanks wieder in den Raum, wo er zuvor war. Dort legten wir ihn auf den Boden wo er sich erstmal vor Schmerzen krümmte und liegen blieb. Rasch schlossen wir die Tür ab und lehnten uns müde dagegen.
"Ist nochmal gut gegangen", murmelte Morgan leise.
"Ja, zum Glück. Glaub mir, ich hätte dir den Kopf abgerissen wenn er entwischt wäre", antwortete ich wahrheitsgemäß. Oh ja das hätte ich gemacht, worauf er sich verlassen kann!
"Ich hab's befürchtet", antwortete Morgan.
Einen Moment lang schwiegen wir. Dann sagte ich: "Ich denke mal, wir können auch bald los."

.Lestat.




Ich zog eine Augenbraue hoch. Lestat war wahrlich besser darin, sein Befinden zu überspielen, als ich.
Wo er vorhin noch so müde geklungen hatte, als würde er im nächsten Moment einnicken, machte er jetzt den Eindruck auf mich, als sei er hellwach und tatsächlich bereit, um loszugehen.
Ich hingegen verspürte eine übermannende Müdigkeit in meinen Knochen, die wie gewohnt zu den Abendstunden hin auf sich aufmerksam machte und mich daran erinnerte, dass ich kein Wesen der Nacht war und um solch eine Uhrzeit gefälligst zu schlafen hatte. Zumal dieses Gefühl der Begierde nach Schlaf jetzt noch stärker war, da ich mir nicht einmal jetzt über den Tag hinweg ein wenig Ruhe verschaffen konnte.
Trotz allem murmelte ich: „Meinetwegen…“ Das klang jedoch eher weniger überzeugend, hatte ich die Vermutung. „Ich hab Hunger“, merkte ich zudem noch klagend an und hielt mir den Bauch.
„Ich auch“, sagte Lestat und es klang weniger wie eine normale Aussage, sondern viel mehr nach einer Drohung, die folgeschwere Konsequenzen für mich hätte, sollte ich anfangen rumzujammern.
Ich ließ mich an der Wand zu Boden gleiten. Ziemlich sicher war ich mir darüber, dass mein Körper nicht mehr lange auf sich warten ließ, Tribut für die Strapazen zu verlangen, denen ich ihn momentan aussetzte. Zwar war ich einiges gewohnt, doch diese Lebensweise über einen so langen Zeitraum konnte einfach nicht gesund sein.
„Wir haben noch ungefähr eine Stunde bis die Sonne vollends untergegangen ist“, sagte ich gedankenverloren vor mich hin.
„Und? Wie gedenkst du diese eine Stunde zu nutzen?“, fragte Lestat.
Jetzt tu nicht so, als würdest du es noch nicht wissen…
Lestat lachte heiser. Er schien meine Gedanken tatsächlich mitverfolgt zu haben, wie ich vermutet hatte.
Ich schloss die Augen und ließ mir noch mal die vergangenen Geschehnisse durch den Kopf gehen zu lassen. So etwas Seltsames war mir noch nie zuvor in meinem Leben widerfahren. Ich sehnte mich förmlich danach, dass alles wieder so normal war, bis zu dem Tag als der rätselhafte Brief bei mir eintraf.
Ganz genau konnte ich mich an die Worte des Boten erinnern, der sie mir damals überreicht hatte. ‚Eine Nachricht für dich. Ist dringlich.
Zu diesem Zeitpunkt hätte ich denjenigen ausgelacht, der mir geweissagt hätte, dass ich nur kurze Zeit später mit einem eingebildeten Vampir vor einer verschlossenen Holztür, hinter der sich ein alter Mann befand, stünde und darauf wartete bis die Sonne unterging.
Und umso mehr ich mich auf diese Gedanken einließ, desto begieriger war ich nun endlich darauf zu wissen, was denn schlussendlich hinter dem Ganzen steckt.
Ich schüttelte seufzend den Kopf und stand wieder auf.
Lestat hatte die ganze Zeit über in derselben Situation verharrt und mich angestarrt.
Seltsamerweise macht es mir mittlerweile auch fast nichts mehr aus, dass ich mich in der Anwesenheit eines Vampires befinde, der mich theoretisch jeden Augenblick in Stücke reißen könnte. Zumal ich bis vor Kurzem nicht einmal an dessen Existenz geglaubt hatte.
Wer hätte geahnt, dass es so kommt?

„Keiner“, sagte Lestat mit einer ungewohnt melancholischen Stimme. „Geh schon mal vor zum Ausgang“, forderte er mich auf. „Ich befreie in der Zwischenzeit unseren Freund.
Ich will nicht noch einmal riskieren, dass er zufälligerweise bei dem Versuch entwischt.“
Ruhig bleiben, Morgan…
Also ließ ich mich nicht weiter provozieren, sondern tat tatsächlich wie mir geheißen. Ich versuchte es zumindest, denn ich konnte mich immer noch nicht wirklich zurechtfinden. So stand Lestat schon längst mit Hanks an dem Tor als ich dort ankam.
Der Vampir stand hinter Hanks und hielt ihn an seinen Armen fest.
Als ich hinzustieß, spuckte Hanks mir mit angewidertem Gesichtsausdruck auf die Stiefel und bleckte die Zähne.

.Morgan.




Als ich sah, dass Hanks Morgan auf die Stiefel spuckte, drehte ich ihm die Arme um, sodass er zu Boden ging und wie ein Hund winselte.
Ich musste dazu wohl nichts mehr sagen. Morgan ließ einen abfälligen Blick zu Hanks schweifen und öffnete dann das schwere Tor.
"Hach ja, die Nacht. Welch' Schönheit", sagte er ironisch. Ich wusste genau, dass er inzwischen die Nase voll davon hatte - von dem ganzen hier. Aber mir ging es nicht besser.
"Ich hab noch immer Hunger. Er wird immer größer..", murmelte ich und sah warnend zu Morgan.
Er sagte nichts dazu sondern ging bloß voraus. Ich ging ihm, mit Hanks, hinterher. Sobald sich mein Griff etwas lockerte (ich hielt seine Arme noch immer fest und er ging vor mir her), versuchte er sich loszureißen. Jedes mal bekam er dafür den Arm umgedreht.
Wer nicht hören will, muss fühlen.
Ich sah in den Himmel. Dunkle Wolken, überall. Hoffentlich fängt es nicht auch noch an zu regnen. So ein Mistwetter können wir jetzt wirklich nicht gebrauchen.
Gerade wollte ich etwas sagen, da hörte ich das Morgan's Magen grummelte. Ich sah ihn an.
Er hob unschuldig die Hände und sagte: "Ich hab doch gesagt, das ich Hunger habe. Und ich hab es im Gegensatz zu dir auch ernst gemeint."
"Ich hab auch Hunger und das meinte ich auch ernst", sagte ich und schaute ihn böse an. Er sollte bloß nicht anfangen, hier jetzt rumzumaulen. Damit er gar nicht erst damit anfing, sagte ich: "Sobald wir wieder von dieser Burg runter sind, essen wir erstmal was."
Morgan nickte und gab sich damit zufrieden. Ich wusste jedoch auch, wie sehr ihn dieser Satz angewidert hatte, weil er genau wusste, was ich aß oder eigentlich mehr, trank. Ich grinste.
"Was für eine Burg?! Es gibt keine! Es gibt keine Burg!", rief Hanks und trat mit seinen Beinen immer wieder gegen meine. Ich wurde zunehmend wütender und wollte ihm gerade an die Gurgel springen, als Morgan mich zurückhielt und in aller Seelenruhe sagte: "Doch Hanks, die gibt es. Und du wirst uns zeigen, wo sie ist."
Er drehte sich um und ging weiter.
"Aber ich weiß doch nicht wo sie ist!", rief der alte Mann verzweifelt. Langsam bekam er also doch die Hosen voll. Umso besser, er sollte ruhig mal ein wenig Respekt bekommen, sonst würde ich meinen Hunger an ihm stillen.
Ich beugte mich zu Hanks und flüsterte ihm ins Ohr: "Bring mich nicht dazu, dir weh zu tun. Ich kann auch anders.." Ich sah, wie Hanks zusammenzuckte und ein kalter Schauer über seinen Rücken lief. Dann ging er weiter. Na also, geht doch.
Morgan war uns schon voraus gegangen und wartete am Ende des Berges auf uns. Wir hatten nun den Waldweg erreicht und waren schon bald am Moor angekommen.

.Lestat.