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Das Arkanum #8




"Nun", begann ich, "Wir haben ein paar Fragen zu der Umgebung hier. Wir kommen nicht von hier und man sagte uns, dass wir uns da am besten an sie wenden sollen." Ich sah dem Mann ganz genau in die Augen und las seine Gedanken. Ich weiß zwar nicht, wer euch das gesagt haben könnte, aber nun ja, mir soll's recht sein.
Er machte eine Handbewegung und bat uns somit, hinein zu kommen. Ich sah zu Morgan, der nun auch ein bisschen näher kam. Wir betraten das Haus.
Hier schien alles warm und hell zu sein, aber dennoch hatte ich ein sehr seltsames Gefühl. Als würde ein großer Schatten über diesem Haus, vielleicht sogar über diesem Ort hier, sein. Ein Schatten der alles überdeckte.
Er ging voraus und führte uns ins Wohnzimmer. Dort ließen wir uns auf einer Couch nieder. Er setzte sich gegenüber von uns und sah uns fragend an. "Also gut, was wollt ihr wissen?"
Ich sah den Kerl an und fragte: "Gibt es hier in der Umgebung irgendetwas besonderes?"
Er zuckte die Schultern, dachte kurz nach und sagte dann: "Nein, nicht das ich wüsste."
Ich sah zweifelnd zu Morgan. Nun meldete er sich zu Wort und sagte: "Wir haben von einer Burg gehört... Was wissen sie von einer Burg, hier aus der Umgebung."
Die Miene des Mannes verdunkelte sich. "Eine Burg? Hier gibt es keine Burg. Ich weiß nicht wer euch sowas erzählt hat." Er lachte kurz auf und bekam gleich darauf einen schrecklichen Hustenanfall. Definitiv ein Raucher, dass hörte man sofort.
"Sind sie sich da sicher?", fragte ich und sah dem Mann in die Augen.
"Natürlich bin ich mir da sicher. Vollkommen sicher. Hier gibt es keine Burg. Wo soll denn hier auch schon eine Burg sein?" Ihr Narren.. Aus mir bekommt ihr nichts raus, da könnt ihr noch so oft fragen...
Seine Gedanken machten mich wütend und ich sagte mit fester Stimme: "Verkauf uns nicht für dumm!"
"Das tu ich nicht!", wehrte Hanks ab und stand auf. "Ihr solltet jetzt lieber gehen. Es ist schon spät und ich möchte meine Ruhe haben." Er wollte uns gerade zur Tür führen, da packte ich ihn am Kragen, funkelte ihn aus meinen roten Augen an und fragte: "Wo ist die Burg? Was hat es mit dieser Burg auf sich? Erzähl uns, was du weißt!"
Ich ließ ihn los und sah ihn gespannt an. Wenn der jetzt nicht auspackt, kann er aber was erleben... Morgan sah mich an, als hätte er diesmal meine Gedanken gelesen. Ich setzte mich wieder hin und zu meinem Erstaunen, setzte sich auch der alte Hank wieder hin und sah uns an.

.Lestat.




Finster starrte ich Hanks an, während ich vornüber auf meine Hände gestützt auf dem Sofa saß. Offensichtlich weiß der was, sonst hätte Lestat jetzt nicht so überzogen reagiert, mutmaßte ich.
Der schon etwas ältere Mann uns gegenüber (nun, im Gegensatz zu Lestats Alter ist die Erwähnung des seinen nichtig) setzte ein dämliches Grinsen auf, das mir ganz und gar nicht gefiel. Wenn ich müde war, war ich immer leicht reizbar, so wie die meisten Menschen. Und dieser Kerl sollte besser nicht austesten wie hoch meine Stresstoleranz in dieser Nacht war. Geschweige denn Lestats, der dem Typen gespannt in die Augen sah.
Ich fragte mich, ob dieser bereits in Gedanken etwas Brauchbares verraten hatte; nicht nur, dass es hier eine Burg gibt. Dass es sie gibt – dessen war ich mir mittlerweile schon ziemlich sicher. Ist also doch auch mal was Wahres an dem Tratsch des Volkes dran.
Was mir ebenfalls nicht gefiel war, dass Hanks sich offensichtlich überhaupt nicht von Lestats Reaktion eingeschüchtert fühlte. Das machte ich zumindest an dem immer noch nicht verschwindenden Grinsen des Mannes aus.
Anstatt auf die ihm gestellte Frage zu antworten, stellte er seinerseits dreisterweise eine Frage an Lestat. „Interessante Augenfarbe. Ist das krankheitsbedingt?“ Dieses wissende Funkeln in den Augen des Typen gefiel mir gar nicht.
Lestat zog eine Augenbraue hoch und wirkte leicht beleidigt. Trotzdem sagte er: „Ja. Aber wir bekommen noch eine Antwort von Ihnen.“ In seiner Stimme schwang ein drohender Unterton mit.
Hanks gähnte herzhaft. „Nur mal mit der Ruhe!
Wenn ich schon mal großzügigerweise von der bodenlosen Unverschämtheit, die ich in Form als solche im Grunde nicht unkommentiert über mich ergehen lasse, absehe, dass ihr mitten in der Nacht mich unsanft aus dem Schlaf gerissen habt, ohne dass ich euch je zuvor gesehen habe beziehungsweise mich mental auf euer Erscheinen vorbereiten konnte, kann ich es doch mindestens von euch werten jungen Herren erwarten, dass ihr mir, einem von der langjährigen Arbeit gebrochenen, alten Mann, die Zeit lasst, die er braucht, um nach einer längeren Schlafphase wieder mit hellwachem Verstand, den ich sowieso, wie ich glaube, schon vor einigen Jahren bei Burnau verloren habe, eine euch zufrieden stellende und informative Antwort zu geben.“
Hä?
Lestat gab sich unbeeindruckt. Eher verärgert. Ich konnte mir gut vorstellen, dass er angepisst war, wegen dem dreisten Kommentar von Hanks, den er schlucken musste, um sich nicht zu verraten.
„Entweder du sagst jetzt auf der Stelle, was du weißt, oder…“
Er musste gar nicht fortfahrend. Hanks machte eine beschwichtigende Geste mit den Händen. „Ruhig bleiben.“ Dieser provokante Zug verschwand immer noch nicht von seinem Gesicht. „In Ordnung“, sagte Hanks nun. „Zugegebenermaßen habe ich bereits von solch einer… Burg gehört.“
„Auf einmal?“
„Ja, ein Freund von mir hat mir soeben eine telekinetische Nachricht zukommen lassen.“ Wir starrten ihn verwirrt an.
Hanks lachte. „Kleiner Scherz am Rande.“
Ha, ha.
„Ich weiß zwar nicht wie ihr auf diese Burg kommt, aber ich kann euch nur wenig dazu sagen. Sie ist im Grunde genommen nur ein Mythos. Eine Legende sogar schon hier in der Gegend. Deswegen wollte ich erstmals auch nicht zugeben, dass ich bereits von ihr gehört habe. Wisst ihr, die Leute sind hier sehr misstrauisch. Hinter vorgehaltener Hand redet zwar jeder von dieser sagenumwobenen Burg, aber sobald es jemand öffentlich ausspricht, ist die Empörung groß.
Insgeheim glauben sowieso alle, dass die Legende wahr ist.“ Er lächelte.
„Ich kann mir auch gut vorstellen, dass man euch zu mir geschickt hat, weil ich angeblich ‚mehr’ davon weiß, richtig?“
Wir nickten, worauf er wieder lachte. „Das ist selbstverständlich völliger Schwachsinn. Aber dieses sensationsgeile Volk braucht halt immer jemanden, der ihnen mehr von mysteriösen Dingen erzählen kann. Das macht sich gut für die Geldbörse, wenn ihr versteht.
Jedenfalls habe ich die Informationen, die über die Burg im Umlauf sind, miteinander kombiniert und herumerzählt, dass ich schon mal dort war.“ Scheinbar schien er diese Tatsache für unglaublich komisch zu finden, denn zwischendurch war sein Redeschwall immer von einem Lachen, das im krächzigen Raucherhusten ausklang, unterbrochen. Er zuckte mit den Schultern. „Seitdem halten sie mich für verrückt. Aber in Wahrheit glauben sie mir, da bin ich sicher.“ Hanks lehnte sich in seinem Sessel gemütlich zurück.
„Ich kann euch natürlich meine erfundene Geschichte erzählen“, sagte er. „Aber ich weiß nicht, ob euch Irreales so sehr interessiert.“
Irgendwas ist hier doch faul an der Sache. Kein normaler Mensch unterhält sich in so einem bequemen Ton mit jemandem, der ihm kurz zuvor wegen des Verlangens nach Informationen an den Kragen gegangen war. Hanks scheint ja nichts zu befürchten. Und ich wusste immer noch nicht, was ich jetzt von ihm halten sollte. Einerseits klang seine Erklärung plausibel, andererseits…
Ich wartete Lestats Reaktion ab.

.Morgan.

Ich sah ihn an und zog erwartungsvoll eine Augenbraue hoch. Das war alles? Darum kamen wir hier her? Ich sah ihm in die Augen. Er dachte nichts besonderes.
"Ich glaube ihnen kein Wort. Rücken sie endlich mit der Wahrheit raus!", rief ich, lehnte mich vor und sah ihm in die Augen.
Er zuckte die Schultern. "Ich habe euch die Wahrheit soeben erzählt. Wenn du etwas an den Ohren hast, ich kenne einen guten Arzt, nicht weit..", weiter kam er nicht, denn ich sprang auf und packte ihn am Kragen.
"Verkauf uns nicht für dumm, hörst du?!", rief ich und ließ ihn zurück auf die Couch fallen. Ich versuchte, aus seinen Gedanken irgendetwas herauszubekommen, aber entweder er vertuschte die wahren Gedanken, oder er dachte tatsächlich nur daran, ob er morgen frisches Brot kaufen sollte, oder nicht. Ich kam mir reichlich verarscht vor.
Hanks stand auf. "Ich möchte jetzt meine Ruhe haben. Ich habe euch alles erzählt. Wenn ihr es nicht glaubt, dann müsst ihr euch jemand anderen suchen, der euch weiterhilft."
Wir standen ebenfalls auf. Am liebsten hätte ich den alten Mann gepackt und auf der Stelle ausgesaugt, aber das wär zu riskant gewesen. Immerhin schien er im Dorf für seine "Geschichten" ziemlich bekannt zu sein. Doch ich glaubte ihm das ganze noch immer nicht.
Er wollte uns zur Tür führen, doch ich blieb stehen. Als Morgan mich jedoch am Arm mit zur Tür zog, ging ich auch. Hanks drängte uns nahezu aus dem Haus und schloss die dann mit den Worten: "Gute Nacht", schnell hinter sich zu.
Morgan und ich standen mal wieder wie zwei deppen dort und wussten nichts neues.
Ich trat einen Stein beiseite und ging los. "Das war so klar", sagte ich genervt und ging schneller.
Morgan ging hinter mir her und fragte: "Hat er denn nichts gedacht das uns irgendwie weiter bringen könnte?"
Ich schüttelte den Kopf. "Nein das ist es ja gerade, was mich stutzig macht. Er hat gar nichts gedacht, während er das ganze erzählt hat. Nichts auffälliges. Nur so blöde Sachen, ob er sich frisches Brot kaufen sollte, oder nicht. Und ob es einem gewissen 'Klaus' im Urlaub wohl gut geht, wegen den schlimmen Stürmen."
Morgan verzog das Gesicht. "Na toll..."
Ich blieb stehen und sah ihn an. "Dann müssen wir eben den Weg zur Burg finden, wenn es denn wirklich eine geben sollte. So schwer kann das doch nicht sein, oder?"
"Und wenn es gar keine gibt? Was, wenn wir da nach etwas suchen, was es wirklich nicht gibt?", fragte Morgan. Ich las seine Gedanken. Und das glaube ich nämlich langsam...
"Aber was, wenn es diese Burg doch gibt und wir rennen praktisch dran vorbei? Das ganze würde uns sicher einen ganz schön großen Schritt weiterbringen und ich möchte endlich voran kommen", sagte ich.
Morgan sah mich bloß an. Ich merkte, dass er nicht recht wusste was er dazu sagen sollte.
"Ein Versuch ist es doch wert. Ich würde vorschlagen, wir versuchen das ganze einfach mal selbst in die Hand zu nehmen. Und ich habe dabei gar nicht mal so ein schlechtes Gefühl", sagte ich und ging weiter. Morgan ging neben mir und schien zu überlegen. Zum Glück war es nicht mehr weit, bis zu meinem Schloss...
Als wir fast wieder dort waren, blieb ich stehen und sah Morgan fragend an. "Also, was sagst du? Ich denke mal, dass wir sonst nicht weiter kommen..."

.Lestat.



Verwirrt sah ich Lestat an. Ich wusste tatsächlich nicht, worauf er hinauswollte. "Aber was, wenn es diese Burg doch gibt und wir rennen praktisch dran vorbei? Das ganze würde uns sicher einen ganz schön großen Schritt weiterbringen und ich möchte endlich voran kommen." – Häh?
„Ich weiß grad nicht genau was du meinst“, sagte ich, unruhig von einem Fuß auf den anderen tretend. Irgendwie war ich verdammt müde.
Lestat setzte gerade wieder zu einer neuen Erklärung an, aber ich winkte ab. „Lass stecken. Ich will mich erstmal hinlegen.“
Der Vampir sah mich verdutzt an. „Wie jetzt?“
Ich gähnte. „Erzähl’s mir heute Abend. Ich muss dir dann sowieso noch was sagen, aber jetzt–“ Die Müdigkeit breitete sich weiter in mir aus. „Jetzt muss ich erstmal schlafen, wenn ich hier nicht auf der Stelle wegpennen soll.“
Lestat, der mein Problem aufgrund der Umstände nicht nachvollziehen konnte, zuckte mit den Schultern, klärte sich allerdings ohne weiteres bereit, mich auf ‚mein’ Zimmer zu bringen. Wenn das so weiter geht, wohn ich da ja echt schon fast, dachte ich, während ich hinter ihm her ging.
Ich wunderte mich, Armand in den letzten Tagen nur ein oder zweimal insgesamt gesehen zu haben. Nicht, dass ich seinen Anblick sehr vermisste, aber fraglich stimmte es mich schon. Ich beschloss Lestat in ein paar Stunden danach zu fragen.
Nachdem dieser mich vor meinem Zimmer abgesetzt hatte und den Gang entlang zur hinteren Treppe, die nach unten führte, verschwand, ging auch ich in den Raum und legte mich sogleich zum Schlafen hin…

Ich wurde an diesem Abend wach, ohne dass Lestat mich ungeduldig aus dem Schlaf reißen musste.
Ganz im Gegenteil. Als ich die Augen aufschlug, war ich alleine im Zimmer.
Schlaftrunken blinzelte ich ein paar Mal und fragte mich, was mich denn geweckt hatte – Nichts zu hören und sowieso nichts zu sehen.
Auch wenn es in einem Zimmer ohne Fenster schwieriger war, die Zeit einzuschätzen, konnte ich mit relativer Genauigkeit bestimmen, dass es bereits gegen halb elf war. Ziemlich spät für Lestat. Eigentlich müsste er schon hier sein…
Ich stand auf und ging aus dem Zimmer heraus, ohne genau zu wissen, was ich tun sollte, denn in Lestats und Armands Keller wäre ich mit hundertprozentiger Sicherheit nur über meine Leiche gegangen. Doch weiter zu überlegen war gar nicht nötig, denn ich stieß mit jemandem zusammen, an dessen Stimme ich nach einer Sekunde erkannte, dass es sich um Lestat handelte.
„Morgen“, sagte ich.
„Ach?!“, zischte Lestat und schob mich zurück in mein Zimmer.
Ich setzte mich wieder auf mein Bett und sah Lestat fragend an, nachdem er eine Kerze entzündet hatte. „Warum zu spät?“
Er sollte mir die Antwort schuldig bleiben.
„Hast du es dir überlegt?“
„Was überlegt?“
„Das was ich dich vor einigen Stunden bereits gefragt habe.“ Der Vampir schien heute nicht sonderlich gut gelaunt zu sein. Sein Tonfall klang gereizter als sonst.
Ich zuckte mit den Schultern. „Ich wusste doch nicht was du meintest, schon vergessen? Aber… Wenn du mich fragst“, begann ich. „Dieser Hanks hat uns nach Strich und Faden hinters Licht geführt. Ich bin mir fast hundertprozentig sicher, dass er wusste, dass du ein Vampir bist.“
Lestat schüttelte mit dem Kopf. „Woher denn?“
„Ich fand diese Frage mit deinen Augen so seltsam und wie er darauf geguckt hat. So wissend irgendwie.“
Lestat überlegte. „Ich weiß es nicht genau. Ich glaube, der wollte uns nur unnötig provozieren. Sonst hätte ich aus seinen Gedanken was in der Richtung herauslesen können…“
„Na ja, wenn er weiß, dass du ein Vampir bist, dann hat er vielleicht extra nicht dran gedacht?“
Lestat lachte trocken. „Wie stellst du dir das vor? Wie soll man absichtlich an etwas nicht denken können? Spätestens wenn man sich das im Kopf vornimmt, denkt man doch in indirekter Weise daran. Und das hätte ihn wiederum verraten. Völlig unmöglich also.“
Ich seufzte. „Du hast dich doch auch von dem hinters Licht geführt gefühlt, oder?“
„Ja, schon“, räumte Lestat ein.
„Also hat der uns mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit doch was verheimlicht. Dass mit dem was faul war, liegt doch auf der Hand.“
„Allerdings. Aber was gedenkst du zu tun? Würden wir annehmen, dass der tatsächlich wüsste, dass ich ein Vampir bin und mich beabsichtigt seine Gedanken nicht lesen lässt, wie sollten wir dann jemals was aus ihm herausbekommen?“
Ich schüttelte mit dem Kopf. „Du hast schon irgendwie Recht… Was war denn dann deine Idee?“

.Morgan.

Ich verdrehte die Augen. Musste ich das denn schon wieder alles aufs neue erklären?
"Meine Idee ist, dass wir das ganze selbst in die Hand nehmen! Sonst kommen wir doch nie weiter!" Ich sah ihn an. "Nehmen wir mal an, diese Burg gibt es wirklich. Dann kann es doch nicht so schwer sein, einen Weg zu der Burg zu finden, oder?", fragte ich.
"Ich weiß nicht...", murmelte Morgan unschlüssig.
"Ich wüsste sonst nicht, wie wir weiter kommen sollen." Dann überlegte ich kurz. Gab es denn wirklich nicht noch irgendeine andere Möglichkeit?
"Wenn wir wenigstens wüssten, ob es diese Burg auch tatsächlich gibt! Denn wenn es sie nicht gibt, dann verplempern wir nur unsere Zeit und suchen nach etwas, was es gar nicht gibt."
"Soweit waren wir ja schon", sagte Morgan.
"Ja...", murmelte ich und überlegte. Dann fuhr ich fort: "Wir könnten doch nochmal ins Dorf gehen und ein bisschen rumfragen. Das war bisher immerhin die einzige Auskunft, die wir zu dem Thema bekommen haben. Halt eben, dass wir zu diesem Hanks gehen. Vielleicht hat ja jemand von den Leuten da unten noch eine andere Idee, oder weiß mehr."
Morgan schien zu überlegen. "Wär schonmal eine Möglichkeit."
"Sehr gut. Dann los", beschloss ich und ging aus dem Raum.
Morgan gähnte, streckte sich und kam dann auch.
Ich hätte ja nicht gedacht, dass das ganze hier noch zu einem solchen Puzzle wird. Hoffentlich hat das bald ein Ende, denn ich habe von Tag zu Tag weniger Lust zu dieser Schatzsuche hier. Aber ich bin schon recht gespannt, was am Ende dabei herauskommt. Obwohl ich allmählich befürchte, dass sich jemand einen ordentlichen Scherz mit uns erlaubt. - Nein, dass kann ja nicht sein. Sonst wären die Goldstücke nicht bei dem Brief dabei gewesen. Jemand, der uns hätte verarschen wollen, würde das sicherlich nicht so machen... Nein, es muss eine ernste Sache sein... Wohin uns das ganze wohl noch führen wird?
Ich dachte wieder viel zu viel über das ganze nach. Aber es ließ mir keine Ruhe, ich könnte mir darüber den Kopf zerbrechen! Dennoch versuchte ich den Gedanken ganz weit fort zu drängen und mich wieder auf das "Befragen der Dorfleute" zu konzentrieren.
Wir beschlossen vorher noch etwas zu essen. Morgan ging also in die Gaststätte und ich machte mich auf die Suche, nach frischem Menschenblut.
Nachdem ich ein paar junge Leute ausgesaugt hatte, ging ich in die Gaststätte. Dort hockte Morgan an einem Tisch über einem Teller mit Suppe. Ich setzte mich ebenfalls an den Tisch und fragte: "Schmeckts?"
Er schaute mich bloß angewidert an, daher konnte ich mir die Antwort ja denken. Ich grinste. "Kein Wunder das die Leute hier immer nur Getränke bestellen."
Morgan verzog das Gesicht. "Na toll." Dennoch löffelte er die Suppe aus, schob den Teller dann beiseite und sah mich fragend an. "Also gut. Und jetzt?"
"Jetzt fragen wir ein paar Leute", murmelte ich und sah mich um. Nach kurzem Zögern fügte ich hinzu: "Dafür gehen wir besser nach draußen. Hier sind doch eh wieder alle nur Stockbesoffen."
Morgan nickte und wir gingen raus. Er bezahlte die Suppe nicht. Der Wirt hatte es zwar gesehen, sagte jedoch nichts. Wahrscheinlich erinnerte er sich noch an den kleinen "Vorfall" mit Morgan. Ich grinste.
Dann sah ich eine etwas ältere Frau auf der Straße gehen. "Die könnten wir doch mal fragen", sagte ich und ging auf die Frau zu.
"Entschuldigen sie...", begann ich und sah sie an. Die Frau schaute mir schockiert in die Augen und stammelte bloß: "Rote Augen.."
"Das ist eine Krankheit", sagte ich schnell und wollte gerade mit den Fragen beginnen, als sie anfing zu brüllen: "Der Teufel! Der Teufel ist unter uns!!"
Ich hielt ihr schnell den Mund zu und schleifte sie so schnell ich konnte in den Wald. Dort brach ich ihr mit einer raschen Handbewegung das Genick und sah mich schließlich panisch um.
Zum Glück hatte das keiner mitbekommen. Ich atmete erleichtert aus. Wenn das Dorf mir gegenüber misstrauisch wurde, hätte ich nämlich ein ganz schön großes Problem.
Ich ging zurück zu Morgan. "Tolle Idee", sagte dieser und verdrehte genervt die Augen.
"Wenn du meinst, dass du es besser kannst, bitteschön", antwortete ich gereizt und schubste ihn in die Richtung eines Mannes. "Frag den doch mal", sagte ich und zeigte auf den Kerl.

.Lestat.



Auffordernd sah Lestat mir in die Augen; ich schickte mich jedoch nicht an, zu dem Typen weiter hinzulaufen, sondern kam wieder zurück. Das Ganze ging mir tierisch auf die Nerven und das miserable Essen hatte mir noch mehr die Laune verdorben. „Nein“, sagte ich entschieden. „Wir gehen jetzt zu diesem Penner von gestern – Hanks. Und wenn dieser Vollidiot nicht mit der Sprache herausrückt, dann werde ich ihm eigenhändig –“ Ich setzte gerade zu einer weniger appetitlichen Erläuterung an, was ich denn dann mit Hanks machen würde, sodass Lestat schnell dazwischenfuhr. „Nur die Ruhe bewahren“, sagte er und sah sich um, ob wir noch nicht weiter Aufmerksamkeit erregt hatten. Ziemlich nutzloses Unterfangen in einem Wald, dachte ich mir dazu.
„Ich glaube mit Hanks sind wir fertig“, sagte Lestat bestimmt und wollte schon wieder losgehen.
Hallo? Was bildet der sich ein? „Jetzt wart mal ’ne Sekunde“, sagte ich empört. „Nur weil du der Ansicht bist, dass wir mit Hanks fertig sind, heißt das noch lange nicht, dass ich das auch bin!“
„Habe ich auch nie behauptet“, sagte Lestat gelassen und ging an mir vorbei. Zerknirscht sah ich ihm hinterher, bis er sich umdrehte. „Kommst du?“
Mit schnellen Schritten holte ich ihn wieder ein, doch im nächsten Moment hatte er schon wieder einen Passanten angesprochen und ich hielt mich im Hintergrund um abzuwarten, ob er Erfolg haben würde.
Mit einem undefinierbaren Gesichtsausdruck und den Worten „Wir gehen.“, kam Lestat wieder zurück zu mir, um mich gleich darauf am Arm zu packen und mich hinter ihm herzuziehen.
Der ist aber heute auch mit dem falschen Fuß ausm Sarg aufgestanden…
Unwirsch riss ich meinen Arm los und ging auf einer Höhe mit dem Vampir. Zwar war es sehr dunkel, doch im Gegensatz zu meinem Orientierungssinn im Schloss, ließ mich dieser hier nicht im Stich.
Auch Lestat schien noch bestens zu wissen, wo sich Hanks Hütte befand und so dauerte es nicht länger als unbedingt notwenig, bis wir wieder davor standen.
Lestat klopfte dreimal laut gegen die Tür.
Ich war mir sehr sicher eine Bewegung hinter einem der Fenster erblickt zu haben, doch niemand öffnete uns.
Der Vampir wiederholte die Geste noch einmal.
Als daraufhin immer noch nichts geschah, stieß ich Lestat zur Seite. „Darf ich?“
Er nickte.
Daraufhin fing ich an unüberhörbar gegen die Tür zu hämmern und schrie: „Hanks, du verdammter Mistkerl! Jetzt mach endlich die Tür auf, sonst seh’ ich mich dazu gezwungen sie einzutreten!“
Lestat warf mir einen abschätzenden Blick zu.
Mein Aufstand schien sich jedoch trotzdem zu honorieren, denn nur ein paar Augenblicke später öffnete sich die Tür ohne meine Beihilfe, und ein – dem ersten Anschein nach – verschlafener Hanks stand im Rahmen.
„Erneuter Besuch zu so nächtlicher Stunde –“, begann er soeben wieder mit seinem unerträglichen Geschwafel, sodass ich ihn unsanft wieder rein in den Flur schubste und Lestat und ich an ihm vorbei ins Wohnzimmer gingen.
Das Maß war mehr als eindeutig voll und Lestat schien mir offenbar bereitwillig die Führung des Gesprächs zu überlassen.
Ich starrte Hanks feindselig an, und war mir dabei ziemlich sicher, dass er nur so tat, als wäre er gerade aus dem Bett gekommen. Oder nahm er sonst auch immer bis zu den Knien geschnürte Lederstiefel mit zum Schlafen?
„Wie kann ich euch helfen?“, fragte er unbekümmert. Reiz – mich – nicht!
Ich setzte einfach alles, was wir bis jetzt hatten auf eine Karte und vertraute darauf, dass mein Gefühl mich nicht trog.
„Jetzt hör auf uns für dumm zu verkaufen“, sagte ich in einer Stimme, die ruhig klang, in der jedoch ein gefährlicher Unterton mitschwang. „Wir wissen genau, dass du uns nach Strich und Faden zu verarschen versuchst. Sei dir sicher, das ist uns nicht entgangen.“ Ich überlegte während ich dies sagte schon, ob ich tatsächlich das aussprechen sollte, was ich zunächst vorhatte. Tu es!, forderte mich mein Verstand auf. „Wir wissen auch, dass du Lestat den Zugang zu deinen wahren Gedanken verwehrt hast.“ Gespannt achtete ich auf jede Reaktion Hanks’ auf diesen Satz.
Hanks’ Gesichtsausdruck wurde für einen Moment so dämlich, dass man ihn durchaus als ‚ertappt’ bezeichnen konnte.
HA! Jetzt passiert also endlich was.
In Hanks’ Augen konnte ich erkennen, wie es in seinem Kopf arbeitete. Komm bloß nicht auf den Gedanken abzuhauen…
„Und jetzt“, sagte ich und ließ mir jedes darauf folgende Wort einzeln auf der Zunge zergehen. „Sagst du uns, wie man zur Burg kommt.“
Einen Moment lang schien Hanks tatsächlich weiterhin so zu tun, als würde er immer noch das Spiel vom Ahnungslosen weiterführen wollen, dann entschied er sich gezwungenermaßen anders. „Ich sage gar nichts.“
Immer noch Widerstand?
Ich wollte gerade meinen Dolch ergreifen, da spürte ich eine kalte Hand auf meiner Schulter und Lestat schob sich an mir vorbei zwischen Hanks und mich.

.Morgan.

Das konnte man ja nicht mit ansehen. Auch meine Geduld war mehr als am Ende und nun war ich mir sicher, dass dieser Hanks etwas verheimlichte.
Doch als ich sah, dass Morgan seinen Dolch hervorziehen wollte, ging ich rasch zwischen die beiden und beschloss den Teil zu übernehmen.
Ich umfasste mit einer Hand Hanks' Hals und drückte zu.
Meine Geduld ist am Ende. Elender Mensch! Zu nichts seid ihr Menschen zu gebrauchen. Und verarschen einen dann auch noch nach Strich und Faden. Aber nicht mit mir!
Er sah mich geschockt an und versuchte, meine Hände wegzudrücken, doch meine Finger waren wie versteinert und umklammerten fest seinen Hals. Hanks Versuche, mich zu kratzen oder zu schlagen, halfen nichts. Ich spürte weder Schmerzen noch sonst etwas und so drückte ich noch fester zu und er sank langsam auf die Knie.
Morgan stand neben mir und sah sich das ganze in aller Ruhe an. Er machte keine Anstalten, dazwischen zu gehen oder sonst was. Wieso auch? Wahrscheinlich hätte er ähnlich reagiert, wenn ich nicht dazwischen gegangen wär.
Wer nicht hören will, muss fühlen.
"Wie kommt man zu dieser Burg?", fragte ich ernst, starrte ihm in die Augen und ließ ein bisschen lockerer, damit er reden konnte.
Doch anstatt mir zu antworten, versuchte er mich wegzustoßen. Daher drückte ich meine Hand wieder fester zusammen und schnürte ihm somit total die Luft ab. Dann versuchte er zu reden und ich ließ wieder lockerer.
"Ich ... sag es ... euch..", keuchte er mühsam.
"Wehe wenn nicht", sagte ich und ließ ihn los. Er fiel auf den Boden und atmete einige Male tief durch. Morgan und ich sahen ihn fragend an. Es dauert noch ein paar Minuten, bis Hanks sich entgültig wieder beruhigt hatte und sah sich dann hilflos um.
"Keine Sorge. Wir wollen nur wissen wie wir zur Burg kommen, mehr nicht. Danach werden wir wieder gehen", versicherte ich ihm.
Sollte er es uns nicht erzählen, wird er nicht mehr lange leben.
"Also schön...", begann Hanks...

.Lestat.



„Ihr habt es ja nicht anders gewollt“, sagte er während er aufstand und seine Kleidung glatt strich. In seinem Blick war unverkennbar seine Feindseligkeit uns gegenüber zu erblicken.
„Sprich!“, forderte Lestat ihn erneut ungeduldig auf.
Hanks lachte heiser und murmelte ein kaum verständliches ‚Idioten’ vor sich hin. „Glaubt ihr im Ernst, dass ihr die Burg tatsächlich findet? Selbst wenn ich euch den Weg verrate… Das ist doch absurd…“
„Lass das mal schön unsere Sorge sein“, sagte Lestat wieder. Ich behielt es mir vor, vorerst nichts zu sagen, da ich ziemlich geladen war und sich das im Moment extrem negativ auf Hanks’ Gesundheit hätte auswirken können.
Hanks zuckte mit den Schultern. „Hatte ich sowieso vor.“ Er setzte sich wieder in seinen Sessel und nichts an seinem Ausdruck erinnerte an die vergangenen paar Minuten.
„Die Burg liegt im Moor.“ Diese Aussage hatte auf irgendeine Weise etwas Endgültiges.
Lestat zog eine Augenbraue hoch. „Tatsächlich? So weit waren wir ja noch gar nicht.“ Mein Mund verzog sich unwillkürlich zu einem leichten Grinsen.
Hanks gähnte. „Ja, ihr wolltet doch wissen, wie ihr zur Burg kommt…“
„Dann sag es uns einfach – verdammt noch mal, ist denn das so schwer?“, fauchte ich ihn an. Ich verdrehte die Augen. Das machte mich noch komplett wahnsinnig.
Der ältere Mann sah mich entfremdet an. „Denkst du im Moor gibt es Wegbezeichnungen oder Straßennamen oder was? Wie soll ich euch bitte erklären wie ihr dann dahin kommt? Zu Fuß?“
Ruhig bleiben.
„Du sollst uns den Weg beschreiben, was gibt es daran nicht zu verstehen? Meine Fresse…“ Ich schüttelte fassungslos den Kopf.
Hanks sah mich an. „Du verstehst das Problem offensichtlich nicht? Wie soll ich denn –“
Lestat schob sich wieder dazwischen und unterbrach ihn. „Ich verstehe das Problem sehr wohl und wenn es sein muss, führst du uns eben eigenhändig zur Burg! Sei’s drum, was es für Konsequenzen für dich haben würde.“
Hanks lachte heiser. „Du glaubst ja wohl nicht im Ernst, dass ich noch einmal in dieses Moor gehe. Ich bin doch nicht lebensmüde. Sieh mich an! Ich bin ein gebrochener Mann. Wie stellst du dir das vor?“
Jetzt war Lestat derjenige, der lachte. „Dein schauspielerisches Talent ist wahrhaftig sehr ausgereift, Hanks. Doch glaub bloß nicht, dass du uns für dumm verkaufen kannst.“ Lestat ging ein paar Schritte auf Hanks zu. „Ich wette, dass du uns nach ganz hervorragend dahinführen kannst.“ Mit diesen Worten packte er Hanks am Arm und zog ihn hoch. „Stehen kannst du zumindest schon ganz ausgezeichnet“, stellte der Vampir zufrieden fest.
Ich trat auch wieder dazu und wendete mich Lestat zu. „Sollen wir denn noch heute losgehen? Ich weiß ja nicht wie lange wir brauchen bis zu dieser Burg, aber mein Gefühl sagt mir, dass wir nicht mehr allzu viel Zeit bis zum Sonnenaufgang haben. Lestat sah mich an. „Ja, du hast Recht. Wir müssen bald zurückgehen.“
„Fraglich ist nur, was wir mit dem“, ich nickte Hanks zu, „in der Zwischenzeit machen. Ließen wir ihn hier, wäre er morgen mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr da. Da bleiben uns ja nicht viele andere Optionen…“

.Morgan.






"Das ist kein Problem. Er kommt halt mit aufs Schloss", sagte ich, packte Hanks am Kragen und schleifte ihn aus seinem Haus.
"Was soll denn das? Nirgendwo werde ich mit euch hingehen!", rief der alte Mann und stemmte seine Beine in den Boden.
"Du hast es ja nicht anders gewollt", murmelte ich, ging ebenfalls hinaus und zog Hanks am Arm hinter mir her. Er hatte keine Chance wegzurennen, dafür hielt ich ihn viel zu fest.
"Außerdem", fuhr ich fort, "Geht es ja deiner Meinung nach gar nicht anders."
Nun waren Morgan und ich die jenigen, die lachten und Hanks versuchte mit aller Kraft, sich los zureißen. Vergeblich.
Morgan und ich gingen schweigend nebeneinander her und einige male musste ich Hanks beinahe den Arm auskugeln, damit er sich nicht wie ein kleines Kind auf den Boden fallen ließ um nicht weiterlaufen zu müssen.
"Aber wenn du mich mit auf dein Schloss nimmst, weiß ich wo es ist! Das ist doch ein großes Risiko für dich!", rief der alte Mann aufgebracht.
Ich lächelte. "Ich werde schon dafür sorgen, dass du es keinem sagst."
Warte nur, bis wir fertig mit dir sind...
Hanks sah mich mit großen Augen an und ich konnte so seine Gedanken lesen. Nein! Oh nein! Hier werde ich nicht mehr lebend herauskommen! Ich brauche einen Plan... Irgendwie muss ich doch hier weg! Ich werde versuchen wegzurennen, wenn sie sich unterhalten und nicht auf mich achten..
"Versuch es gar nicht erst", sagte ich.
"Was? Was soll ich gar nicht erst versuchen?"
"Du weißt schon, was ich meine. Du wirst vor uns nicht flüchten können, glaub es mir", antwortete ich ruhig.
Morgan nickte. "Er hat recht, es macht keinen Sinn. Tu lieber das, was wir dir sagen."
Hanks schluckte und ging nur widerwillig mit uns.

Am Schloss angekommen führte ich ihn in ein leeres, stockdunkles Zimmer und schloss die Tür hinter mir ab. Hanks konnte also nicht entkommen. Er hämmerte wie verrückt gegen die Tür und schrie so laut er konnte.
Du erbärmlicher Mensch kannst so laut schreien wie du willst. Hier wird dich keiner hören...
Ich entfernte mich einige Schritte von diesem Lärm und wandte mich Morgan zu, der vor mir stand. "Wir müssen nach ihm sehen. Man weiß ja nie, auf welche Gedanken der Kerl kommt. Am besten wechseln wir uns damit ab", sagte ich leise.
Morgan nickte. "Ja, dass ist wohl das beste. Ich kann ja erst wach bleiben und ab und zu nach ihm sehen und danach bist du dran."
"Ja, weck mich dann einfach, wenn du schlafen gehen willst", sagte ich, drehte mich um und wollte gerade gehen, als Morgan mich am Arm festhielt und fragte: "Ich soll was?! Wie soll ich dich denn wecken? Ich soll in deine Gruft gehen? Und..."
Ich schob ihn rasch in sein Zimmer und nickte. "Genau, du gehst in meine Gruft und weckst mich. So einfach ist das." Mit diesen Worten drehte ich mich entgültig um, schloss die Zimmertür hinter mir zu und machte mich auf den Weg zu meinem Sarg.

.Lestat.

 



Ich rang in diesem Moment mit mir selbst, ob ich Lestat nicht doch noch einmal zurückhalten sollte, aber einen Augenblick später war er schon aus meinem Sichtfeld verschwunden.
Ich soll da irgendwo im Stockfinstern runter in den Keller zu ihm und Armand gehen und ihn wecken? Das glaubt der ja wohl selbst nicht…
Seufzend schüttelte ich den Kopf. Bis zu dem Zeitpunkt an dem ich zu müde bin, ist mir mit Sicherheit schon wieder was eingefallen, überlegte ich.
Meinem Zeitgefühl zufolge musste es ungefähr Sechs oder Sieben Uhr in der Früh’ sein. Das war normalerweise eine Uhrzeit zu der ich gerade munter wurde. Und auch jetzt, trotz meines gestörten Schlafrhythmus’, hatte ich das Gefühl von neuer Vitalität durchströmt zu werden, auch wenn der Zustand beiweitem kürzer weilen würde, als normal.
Ich wurde aus meiner Trance gerissen, als Hanks sich offensichtlich mit seinem vollen Gewicht gegen die Tür warf. Müde schien der kein bisschen.
Genervt schlug ich einmal gegen die Tür und rief ebenso angenervt: „Jetzt mach dich mal locker und nicht so ’nen Lärm!“
Hanks murmelte etwas Unverständliches, aber mir war auch relativ egal, was der Gute da grad von sich gab.
Gegen die Tür gelehnt setzte ich mich hin und starrte in die Gegend. Erkennen konnte ich durch die Dunkelheit sowieso nichts. Eine Sturmlaterne oder wenigstens eine Kerze wäre in diesem Moment wahrlich nicht schlecht gewesen. Zumal diese Dunkelheit einen auch schon wieder träge und müde machte.
Schon einen kurzen Augenblick später fing Hanks wieder an zu poltern.
Nachdem ich einige Beleidigungen durch die Tür gebrüllt hatte, in der Hoffnung Hanks würde daraufhin aufhören, gegen seine ungewollte Festnahme zu protestieren, stand ich auf. Das hält ja kein Mensch aus.
Ich schloss die Tür mit dem Schlüssel auf, den Lestat hiergelassen hatte. Vorher vergewisserte ich mich noch, dass mein Dolch an seiner Stelle war, sodass ich schnell reagieren konnte, falls Hanks auf dumme Gedanken käme.
„Verdammt noch mal“, sagte ich, als ich ein paar Schritte in die dunkle Kammer eintrat. Wo Hanks sich in diesem Augenblick befand, konnte ich nicht genau bestimmen.
„Ich sags dir jetzt nur noch einmal, entweder du entspannst dich mal ’ne Runde oder ich werde – Hanks?“
Einen Moment unachtsam und schon war es zu spät. Ich spürte nur einen kühlen Luftzug, der rechts an mir vorbei zur Tür zog. „HANKS!“, brüllte ich dem Idioten nach, machte auf dem Absatz kehrt und wollte ihm hinterhereilen.
Dummerweise hörte ich einen Atemzug zu langsam die Türe zuknallen und rannte voll dagegen. Etwas in meinem Gesicht – ich vermutete, dass es sich um meine Nase handelte – knackte unschön und kurze Zeit lang wurde mir noch schwärzer vor Augen, als es sowieso schon war. Ich stieß einen Fluch aus und rappelte mich hoch.
Im nächsten Moment spürte ich wie warme Flüssigkeit über mein Gesicht lief. Auch in meinem Mund machte sich ein bitterer Geschmack breit.
Mir blieb allerdings nicht viel Zeit mir lange Gedanken um mein Wohlergehen zu machen. Nein, ich musste Hanks hinterher. Lestat würde mich mindestens einen Kopf kürzer machen, wenn er erfährt, dass der einzige handfeste Hinweis auf das Geheimnis mir soeben entwischt war.
Ich öffnete die Tür und rannte auf den Flur. Wo ist der Bastard hin?
Entweder er hat ein gutes Gedächtnis und einen ebensolchen Orientierungssinn und hat direkt den richtigen Weg bis nach draußen gefunden, oder er irrt jetzt planlos irgendwo im Schloss herum…
Ich erinnerte mich nur zu gut an meinen ersten Tag hier und wie ich nachher irgendwie in dem Weinraum gelandet war.
Ruhig bleiben, Morgan, ermahnte ich mich. Fraglich war, ob es jetzt das Beste sein würde, einfach auf gut Glück irgendwo hinzurennen oder tatsächlich zu Lestat zu gehen und ihm das Unglück zu gestehen.
Da musst du durch, sagte ich mir während ich mich für die letztere Option entschied. Ich kannte mich hier ja selbst nichtmal aus und nachher wäre sowohl Hanks wie auch ich irgendwo verschollen. Und das konnten weder Lestat noch ich nun wirklich gebrauchen.
Ich schluckte einmal (und dabei auch eine Menge Blut, dass sich in meinem Mundraum angesammelt hatte. Ich konnte wirklich nicht nachvollziehen, wie Vampire dies in rauen Mengen zu sich nehmen konnten.)
Langsam tastete ich mich am Gang entlang. Wo das Ende des Flures bis zur Kellertreppe war, war nicht schwer zu wissen. Man musste sich einfach nur an der Wand links von mir halten und irgendwann war man dann da. Ich merkte dies daran, dass ich fast die Treppe runtergestürzt wäre, weil ich sie nicht gesehen hatte.
Einen Augenblick zögerte ich noch. Wie soll ich das jetzt am Besten machen? Ich war ja wirklich nicht ängstlich, aber diese Vorstellung gefiel mir so was von überhaupt nicht.
Vorsichtig ging ich ein paar Stufen nach unten und blieb dann wieder stehen.
Schließlich rief ich entschlossen laut: „LESTAT? LESTAT!“ Ganz der Hoffnung nach, dass der Vampir mich hören würde.
Keine Reaktion.
Ich ging noch ein paar Stufen tiefer und rief erneut.
Wieder geschah nichts.
Eine Stimme in mir flüsterte: Keinen Schritt weiter, Morgan… Die andere sagte mir: Du hasts versaut; da musst du jetzt durch.
Wieder ging ich etwas weiter und rief, bis ich plötzlich ein ganz leises Geräusch vernahm. Mein Herz klopfte und ich hatte beinahe das Gefühl, dass es lauter wäre, als dieses unscheinbare Geräusch.
Plötzlich hörte ich eine Stimme, die mich so zusammenzucken ließ, dass ich das Gefühl hatte, dass mein Herz stehen bleibt.
Was suchst du denn hier?“
Es war Armand.
Hätte er mich nicht einen Augenblick später geistesgegenwärtig am Arm gepackt, wäre ich vermutlich von dem Schock von der Treppe gefallen. Meine Fresse! Man kann ja auch anders auf sich aufmerksam machen!
Bevor ich erstmal wieder Luft holen konnte um zu antworten sagte Armand scheinheilig: „Ich habe dich doch nicht etwa erschreckt?!“
Nee, gar nicht… Penner.
Ich atmete einmal tief ein und sagte dann: “Eigentlich wollte ich zu Lestat.”


.Morgan.




Aus Armand's Sicht:

"Zu Lestat? Zu solch' später Stunde?", fragte ich und sah Morgan an.
"Ja.. Wir haben das so ausgemacht, von daher wird er sicherlich nichts dagegen haben."
"Na dann, komm mit", sagte ich und ging die Stufen hinunter. Ich sah, wie Morgan sich ganz langsam an der Wand entlang tastete. Kurzerhand zündete ich ein paar Kerzen an, sodass er besser sehen konnte.
"Danke", sagte er und ich nickte bloß.
Als er vor Lestat's Sarg stand, sah er erst den Sarg und dann mich an. Ich sah ihm in die Augen und las seine Gedanken. Da wär es mir doch lieber gewesen, er hätte kein Licht angemacht. Ich glaub mir wird schlecht. Das ist einfach nur abartig..
"So, ich denke du kommst allein zurecht. Ich werd dann mal gehen", sagte ich und ging die steilen Stufen hoch, bevor er etwas antworten konnte. Meine Güte, der Kerl steht wohl wirklich unter Schock. Ich wüsste ja doch mal gerne, wie ich darauf reagiert hätte, als ich noch ein Mensch war... Nein Armand, denk nicht dran...



Aus Lestat's Sicht:

Ich gähnte und öffnete kurz die Augen. Was war das eben für ein Geräusch? Einen Moment lang lauschte ich. Als dann doch nichts mehr kam, schloss ich die Augen wieder. Dann schlief ich wieder ein...
Einen Augenblick lang später, hörte ich wie jemand gegen meinen Sarg klopfte und meinen Namen rief. Ich riss die Augen auf und öffnete mit einem Ruck den Sarg. Dann setzte ich mich auf und rief: "Was soll denn das?!"
Morgan sah mich unschuldig an und murmelte: "Ähh also.. du hast doch gesagt ich soll.."
"Jaja schon gut", sagte ich und gähnte. Dann streckte ich mich und stand auf. Ich blinzelte wütend ins Licht der Kerzen. Ich mochte es nicht sonderlich, wenn mich jemand weckte und dann auch noch bei Licht. Igitt.
Ich machte mich auf den Weg nach oben. Morgan lief hinter mir her und sagte: "Lestat? Ich muss dir da was sagen.."
"Später", antwortete ich bloß gähnend und fügte nach kurzem Zögern hinzu: "Hast du Armand etwa auch geweckt?"
Morgan zuckte die Schultern. "Eigentlich nicht. Der war schon wach als ich runterkam."
Ich sagte nichts mehr sondern ging weiter den Gang entlang, der zu dem Zimmer von Hanks führte. Morgan lief neben mir her und sagte: "Lestat ich muss dir was gestehen.. also ich äh.."
Ich winkte ab und ging einen Schritt schneller. Dann war ich vor Hanks' Zimmer angekommen und sah, dass die Tür offen stand. Ganz langsam drehte ich mich zu Morgan um und sah ihn an. Wenn Blicke töten könnten...
"Ich wollte es dir ja erklären..", murmelte Morgan und ging einen Schritt zurück.
"Ich höre", sagte ich wütend und funkelte ihn an.
"Also zuerst lief alles glatt, aber dann machte er total den Lärm und schmiss sich dauernd gegen die Wand. Da bin ich halt reingegangen, aber dummerweise ist er mir dann entwischt. Ich weiß wirklich nicht, wie das passieren konnte!", erklärte Morgan.
Am liebsten hätte ich Morgan am Kragen gepackt und ihn im hohen Bogen aus meinem Schloss geschmissen, doch das würde die Momentane Situation auch nicht besser machen. Wir mussten nach Hanks suchen. Hoffentlich hatte er den Ausgang noch nicht gefunden.
"Es tut mir wirklich Leid, aber.."
Ich unterbrach ihn: "Psst! Leise! Wir müssen nach Hanks suchen und wenn er uns schon hört, finden wir ihn nie."
Morgan nickte bloß und ging hinter mir her. "Halt die Augen offen", sagte ich und sah ihn an.
"Ja mach ich." Selbst wenn.. Sehen kann ich trotzdem nichts.
Ich drehte mich wieder um und ging weiter. Das große Tor war geschlossen und ich verriegelte es ordentlich, damit Hanks nicht rauskam, wenn er es fand.
"Ich denke er ist noch im Schloss..", flüsterte ich und ging weiter.

.Lestat.