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 Das Arkanum #5

Ich wollte ja nicht rumheulen, aber meine Beine taten mir ziemlich weh und durchweicht war mein Umhang samt der Kleidung, die ich darunter trug, auch. Ich fragte mich, ob ein Vampir denn gar kein Empfinden von Erschöpfung verspürte, denn Lestat machte einen stets unermüdlichen Eindruck.
Das Haus vor dem wir standen, kam mir auch nicht sonderlich vertrauenserweckend vor. Es stand etwas abseits der restlichen Bevölkerung des Dorfes, besaß einen verwilderten Vorgarten und war gebaut aus Holz. Der Zustand desselbigen zeugte davon, dass das Haus schon seit einiger Zeit dort stand, und dass sich nie wirklich jemand um dessen Instandhaltung gekümmert haben musste.
Ich betrachtete die große Holztür, die uns vom Inneren des Hauses trennte. Was uns dahinter wohl erwartet?
Als ein Gewitter begann, sich zu dem Regen zu gesellen, kam ich zu dem Entschluss, dass die Beantwortung dieser Frage nicht länger warten sollte.
„Also dann“, sagte ich und pochte dreimal laut gegen die Tür. Einen Türklopfer gab es nicht, oder vielleicht hatte es einmal einen gegeben, der jedoch bereits das Zeitliche segnete. Während wir vor der Tür warteten, schielte ich zu Lestat. Der Vampir stand ein Stück hinter mir – die Arme hinter dem Rücken verschränkt – und tastete mit wachsamen Augen die Fassade des Hauses ab.
Mich beschäftigte immer noch die Frage, was das vorhin für ein Kerl gewesen war. Woher wusste er von dem Brief? Welche Rolle spielte er in dieser Sache? Warum war er so plötzlich verschwunden? Woher wusste er von Lestats kleinem Geheimnis?
Ich schüttelte den Kopf. Mit etwas Glück würden sich auch diese Fragen in den nächsten Augenblicken mit dem Öffnen der Tür klären, doch…
„Klopf noch mal“, forderte Lestat mich auf, nachdem sich nach einer Weile noch nichts geregt hatte. Ich tat wie mir geheißen, trotzdem blieb alles im Haus danach stumm und die Pforte dort hinein blieb weiterhin verschlossen.
„Vielleicht ist –“ Lestat holte den Zettel erneut hervor, um den Namen des Adressaten abzulesen. „Parlan nicht da. Ich konnte keine Regung im Haus erkennen. Zumindest hinter den Fenstern war nichts zu erkennen.“
Auch das noch! Kann dieser dämliche Typ nicht einfach mal zuhause sein, wenn man ihn braucht?
Trotzig trat ich gegen die Tür, eigentlich nicht einmal mit allzu viel Kraft, doch zu meiner Überraschung gab sie nach und die rostigen Angeln brachen. Es gab einen dumpfen Aufprall, als sie auf dem Boden aufschlug.
Entgeistert starrte ich die Tür an. Lestat kam einen Schritt näher und zog milde überrascht eine Augenbraue hoch.
„Das - war jetzt eigentlich nicht so beabsichtigt“, sagte ich.
Jetzt wo die Tür nicht mehr den Blick versperrte kam ein langer dunkler Flur zum Vorschein. Dort war ebenfalls alles aus Holz und ein modriger Geruch schlug uns entgegen. Das lag daran, dass der Boden sowie der Wandbelag an vielen Stellen feucht und durchweicht war. Lestat schenkte mir einen War-ja-klar-Blick. „Und was machen wir jetzt?“
Ich zuckte mit den Schultern. „Na, wenn die Tür jetzt sowieso schon offen ist, können wir ja auch rein gehen. Außerdem wird es langsam kalt“, sagte ich und sah an meinem nassen Körper hinunter.
Der Vampir schienen die Wetterbedingungen nicht zu beeindrucken, aber er nickte trotzdem zustimmend und wir gingen hinein. „Unbeliebt gemacht, hast du uns dadurch sowieso schon“, stellte er fest.
„Sehen wir uns ein bisschen um, oder warten wir bis dieser Kerl hier auftaucht?“

.Morgan.

 

 

„Eigentlich könnten wir uns ja mal ein bisschen umsehen“, murmelte ich und ging langsam weiter. Morgan schien kurz zu zögern, kam mir dann aber trotzdem hinterher.
Wir gingen vorsichtig durch den dunklen Flur. Ich schaute in ein kleines Zimmer hinein. Es muss einmal ein Schlafzimmer gewesen sein, denn in der hintersten Ecke, stand ein großes Bett das viel Platz einnahm.
„Es ist verdammt dunkel hier“, stellte Morgan fest, als er gegen eine alte Kommode lief. Ich konnte mir ein grinsen nicht verkneifen. „Kommst du klar?“, fragte ich ihn.
„Sicher, alles bestens hier“, antwortete Morgan und tastete sich an den Wänden entlang.
Als wir weiter durch den Flur gingen, wurde es zunehmend kühler. Ich weiß nicht woran das lag, aber vielleicht bildete ich es mir auch bloß ein.
An den Wänden hingen viele Bilder. Die meisten waren schon total verstaubt und auch nicht sonderlich interessant. Es waren nur irgendwelche Landschaftsbilder. Doch dann entdeckte ich ein altes Bild, von diesem Haus hier.
„Also früher sah es hier ganz anders aus“, stellte ich fest. Morgan sah mich fragend an. Ich zeigte auf das Bild. „Oh ja, stimmt…“, murmelte er. Ich spürte, dass ihm das ganze nicht so geheuer war. Mir allerdings auch nicht…
„War mal ein wunderschönes Haus... - Hinten müsste noch ein großer Garten sein“, sagte ich. Auf dem Bild war einer zu sehen. Den wollte ich mir mal anschauen. Also ging ich weiter durch den Flur, bis ganz hinten hin, zum Garten. Eine Tür gab es nicht mehr, also konnten wir den Garten sofort betreten.
„Ich will nicht wissen, wie viele Ratten hier überall sind“, sagte Morgan, als er sah, dass es keine Tür gab, die das Haus vom Garten trennte.
Hier im Garten war bereits alles total verwachsen. Er war riesengroß und ich konnte mir gut vorstellen, dass er früher einmal richtig schön war.
Es regnete und gewitterte noch immer in Strömen. Jedes mal wenn ein Blitz aufblitzte, sah das Haus, samt Garten total gruselig aus…
„Ich glaube der wollte uns auf den Arm nehmen“, sagte ich wütend und sah mich um. Dann gingen wir lieber wieder rein, bevor wir noch völlig aufweichten. Ich lehnte mich gegen die Wand und schaute nach draußen, in den Garten.
„Hier ist weit und breit keine Menschenseele. Es ist einfach nur ein altes, verlassenes Haus.“
Gerade wollte Morgan darauf antworten, als mit einem lauten Knall eine Tür zuknallte!

.Lestat.

 

 



Wie ertappt zuckte ich zusammen. „Hast du das gehört?“
Blöde Frage. Natürlich hatte Lestat das gehört. Es war ja auch schlecht zu überhören und durch die gegebenen Umstände hatte der Vampir sowieso das bessere Gehör, auch wenn man meines nicht als schlecht bezeichnen konnte.
Wir verharrten und behielten alle Türen im Flur im Auge. Plötzlich bewegte sich Lestat auf eine Tür zu. „Die hier“, sagte er, „war vorhin nur angelehnt.“
Sollte das stimmen, staunte ich nicht schlecht. Vampire mussten ein ausgesprochen gutes, fotografisches Gedächtnis haben. Mir wäre es zumindest nicht aufgefallen. Das konnte natürlich auch daran liegen, dass sich mein Blick normalerweise nur aufs Wesentliche beschränkte, wurde er nicht gerade durch besondere Gegebenheiten vernebelt.
Unschlüssig stand Lestat vor der Tür. Ich nahm ihm großzügigerweise die Entscheidung ab, und öffnete sie.
In diesem Zimmer waren wir vorhin noch nicht gewesen. Bis auf ein Sofa, eine Art großer schwarzer Kasten in der Ecke und einen Tisch war es leer. Und das konnte ich nur erkennen, weil zwischen Sofa und Tisch eine Gestalt über letzteren gebeugt, gerade dabei war, ein paar Kerzen anzuzünden.
Die Person hatte lange schwarze Haare, die ihr ins Gesicht fielen, sodass ich nichts Weiteres erkennen konnte, außer, dass sie eine recht zierliche Gestalt hatte und einen völlig durchnässten, dunkelroten Umhang trug.
Als sie bemerkte, dass wir das Zimmer betraten, sah sie auf.
Es handelte sich um eine blassgesichtige, junge Frau, die zu meinem Leidwesen… ebenso rote Augen wie Lestat besaß.
Bin ich denn nicht schon genug gestraft? BIN ICH DENN NICHT SCHON GENUG GESTRAFT? Ich schielte zu Lestat.
Die Frau lächelte freundlich und schien keineswegs überrascht. „Willkommen, Freunde der Nacht.“ Sie machte eine einladende Handbewegung zum Sofa. „Setzt euch.“ Lestat und ich blieben wie angewurzelt stehen.
Die Inhaberin des Hauses ließ sich nichts anmerken, sondern kam auf uns zu, um uns die Hand zu reichen. „Ich bin Parlan“, sagte sie.
Ich wollte ja nicht unverschämt wirken, aber dennoch platzte ich heraus: „DU?“
Der seltsame Typ aus der Taverne hatte doch eindeutig gesagt ‚Fragt nach ihm’. Parlan wirkte verlegen. „Ja, ich bin es.“ Sie grinste. „Es kommt da manchmal zu ein paar Missverständnissen.“
Mir fiel auf, dass sie gar keine spitzen Eckzähne besaß.
„Möchtet ihr euch nicht doch setzen?“
Diesmal taten wir, wie uns geheißen und nahmen auf dem staubigen Sofa platz. Parlan legte unterdessen ihren Umhang ab und setzte sich ihrerseits auf die schwarze Kiste.
„Ich hatte euch früher oder später schon hier erwartet“, sagte sie und strich sich eine nasse Haarsträhne aus dem Gesicht. „Ihr habt mit Sicherheit einige Fragen –“ Dabei sah sie zunächst Lestat an. „Nein, ich bin kein Vampir, so wie es vielleicht im ersten Moment den Anschein macht.“
„Sondern?“
„Es würde zu viel Zeit beanspruchen, um das genau zu erklären. Vor allem da ihr die Hintergründe nicht kennt. Tee?“
Ich überging ihre Frage. „Genau genommen wissen wir gar nichts. Es wäre ausgesprochen freundlich, wenn mal irgendjemand erklären würde, was hier los ist und Klartext reden würde.“
Sie hob beschwichtigend ihre Hände. „Keine Sorge, ihr werdet Antworten erhalten. Doch das, was ich verkörpere, ist nun vorerst eher nebensächlich.“
Ich merkte, dass Lestat angespannt war, weil er dicht neben mir saß. Er sagte jedoch nichts. „Woher wusstest du, dass wir kommen würden? Was hast du mit der Sache zu tun?“, fragte ich also.
„Als in Erfahrung gebracht wurde, dass Argon nicht zum Treffen erschien – und bisher leider immer noch nicht aufgetaucht ist –, sollten euch Boten wieder aufsuchen, um euch zu mir zu schicken.“ Als sie unsere (oder zumindest meine) verwirrte Miene sah, bemerkte sie: „Aber ihr scheint keinem Boten begegnet zu sein?“
„Nein… Also nicht direkt. Wir -“
Sie winkte ab. „Ist auch nicht so wichtig, immerhin seid ihr jetzt hier. Das ist die Hauptsache. Du fragtest, was ich mit der Sache zu tun habe?
Nun, das bedarf ebenfalls etwas mehr, als nur ein paar Worte. Möchtet ihr nicht doch einen Tee?“
Wir starrten sie an, als wäre sie ein Alien, der uns auffordert, ihm dabei zu helfen, quietschbunte Luftballons aufzublasen.
„Dann eben nicht. Also…“

.Morgan.

 


"...eigentlich sollte Argon das machen, aber da er nicht gekommen ist, muss ich das wohl tun. Ihr fragt euch natürlich, warum ihr beide zusammen in dieser Nacht auf die Lichtung bestellt worden seid? Nun, dass kann ich euch nicht sagen, aber ich kann euch sagen, wo ihr weiter suchen müsst. Ihr müsst nach dem Erbe suchen und das Geheimnis lüften... Und zwar an einem Ort, der das pure Grauen wiederspiegelt. - Aber ich will euch keine Angst machen und ihr seid sowieso noch lange nicht so weit. Es wird noch ein weiter Weg sein. Nun ja, eins nach dem anderen", murmelte sie und schüttete uns Tee ein. Igitt, Tee.
Ich verabscheute diese "Menschen-Getränke". Eher bevorzugte ich Blut... Dennoch trank ich Anstandshalber ein paar Schlucke von dem Tee. Als hätte Parlan meine Gedanken gelesen, lächelte sie und sagte: "Ich weiß, Lestat. Du bevorzugst anderes, aber damit kann ich leider nicht dienen."
Dann sah sie erst mich, dann Morgan durchdringend an und gab mir schließlich einen kleinen Zettel. "Dort soll eure Suche weiter gehen", sagte sie leise und schaute uns geheimnisvoll an.
"Da steht bloß ein Ort drauf", stellte ich verwirrt fest. Morgan und ich beugten uns über den Zettel. Ich las: "Verdun." Morgan sah mich an und fragte: "Weißt du wo das ist?" Ich nickte bloß. "Ja, ein paar Orte weiter. Verdun ist auch nicht viel größer als dieses Kaff hier." 
Als wir wieder aufsahen, war Parlan nicht mehr da. Morgan sprang auf wie von einer Wespe gestochen und ging um den Tisch herum. "Wo ist sie? - Wo ist sie?!" Ich schaute zur Kiste. Auch ihr Umhang lag nicht mehr dort. Mein Blick tastete das Zimmer ganz genau ab.
"Sie ist weg", stellte ich trocken fest und stand auf. Morgan lief aus dem Zimmer, blieb am Türrahmen stehen und spähte hinaus. "Aber... das kann nicht sein! Sie muss doch hier irgendwo noch sein! Komm schnell, dann erwischen wir sie vielleicht noch!", rief er. Ich sah ihn ernst an. "Sie ist weg! - Sie war ebenfalls eine Nachtgestalt, wie wir es nennen. Die können sowas..." Ich ging durch den Flur, aus dem Haus. Zum Glück hatte es endlich aufgehört zu regnen.
"Heißt das, dass du sowas auch kannst?", fragte Morgan erschrocken. Ich nickte bloß und schaute in den Himmel. "Ich würde vorschlagen, wir gehen jetzt zurück zum Schloss. Bald geht die Sonne auf... Morgen Nacht gehen wir dann nach Verdun. Jedoch müssen wir früh genug aufbrechen, denn es ist noch ein Stück weiter, als Deveny." Dann ging ich los in Richtung Schloss. Morgan kam mir hinterher. Er war noch immer völlig geschockt. Ich lächelte. Du hast doch keine Ahnung, was dich noch alles erwartet...

 



.Lestat.

Man konnte mich nicht als ängstlichen Menschen bezeichnen, keineswegs. Doch alles, was mein Verstand nicht begreifen konnte, missfiel mir ganz und gar.
Ich beobachtete Lestat aus den Augenwinkeln heraus. Er lief links von mir. Wie immer machte er einen gefassten Eindruck und seine Miene war unergründlich ernst. Ich fragte mich, ob ihn die Geschehnisse genauso beschäftigten wie mich, oder ob diese beinahe „eingefrorenen“ Gesichtszüge nur Fassade waren, doch im Gegensatz zu ihm, konnte ich nicht seine Gedanken lesen.
Es hatte mittlerweile zu regnen aufgehört und die Luft roch angenehm nach Regen. Ich versuchte die Uhrzeit zu schätzen und kam zu dem Ergebnis, dass die dritte Stunde des Tages bald enden musste.
„Wir sollten uns beeilen“, sagte ich, wusste jedoch schon im nächsten Moment nicht, warum ich es erwähnte. Lestat würde ja am Sonnenlicht verrecken, nicht ich. Die Nachtgestalt wandte sich zu mir um und lächelte mitleidig. „Auch schon gemerkt?“
Ja, Lestat, ich weiß, dass du der Tollste bist.
„Ich wollte es nur mal anmerken. Wir haben noch ungefähr -“
„Eine Stunde und eine halbe. Danke für den Hinweis.“ Bitte, bitte. Nichts zu danken – Kohlkopf.
Den restlichen Weg bis zum Schloss gingen wir schweigend nebeneinander her. Ich betrachtete den Boden eingehender und Lestat den Himmel. Diese Haltung passt auch viel besser zu seinem Charakter.
Es war schon fast halb fünf als wir endlich das Schloss erreichten. Auf den letzten Metern hatte Lestat es ziemlich eilig gehabt und war sichtlich erleichtert, als er die schwere Schlosstür hinter uns schließen konnte.
Hatte der großmütige Lestat etwa Angst?, dachte ich spöttisch. Ich spürte einen Tritt gegen’s Schienbein und im nächsten Augenblick sagte Lestat: „Entschuldige.“ Ich war mir jedoch ziemlich sicher, dass es pure Absicht Lestats gewesen war, doch darum konnte ich mich jetzt nicht kümmern. Ich musste eher darauf achten, dass ich hier im Stockfinstern nirgendwo gegenlief.
Als Lestat merkte, dass ich leichte Orientierungsprobleme hatte, packte er mich am Arm und zog mich hinter sich her.
Eigentlich hatte ich ja einen ausgezeichneten Orientierungssinn – wenn ich den Ort denn schon mal voll erleuchtet gesehen habe.
„Wohin gehen wir?“, fragte ich.
„Wirst du sehen.“
Echt? Na super. Momentan sehe ich ziemlich wenig.

.Morgan.

 

Schließlich kamen wir vor dem Zimmer von Armand, meinem Meister und Schöpfer, an. "Wir sollten Armand das ganze erzählen und ihm auch sagen, dass wir die nächsten Nächte viel unterwegs sein werden. Wer weiß, wohin uns das ganze noch führt", sagte ich zu Morgan. Dieser nickte zustimmend.
Ich seh schon, er ist ganz meiner Meinung.
Ich grinste und klopfte ein paar mal gegen die Tür.
"Herein!", hörte ich Armand rufen und so betraten wir sein Zimmer. Er saß gerade mit einem Glas Wein am Tisch und hatte sich ein paar Kerzen angezündet.
"Oh, was für eine nette Überraschung", sagte er und lächelte uns zu. Ich lächelte zurück und sah zu Morgan. Dieser versuchte ebenfalls freundlich zu lächeln, was aber mehr als künstlich aussah.
"Wir haben mit dir einiges zu besprechen, Armand", sagte ich und setzte mich an den Tisch. Ich zeigte auf den freien Platz neben mir um Morgan zu symbolisieren, dass er sich hinsetzen sollte. Das tat er auch. Armand schaute uns erwartungsvoll an. Ich fing an, ihm das ganze zu erzählen. Wie wir erst die Leute im Dorft befragt hatten und schließlich nach Deveny geschickt wurden.
"...Tja und nun führt uns der Weg nach Verdun und wir hoffen, dass wir dort mehr Informationen finden", beendete ich das ganze.
Morgan hatte die ganze Zeit nur stumm neben mir gegessen und zugehört. Auch Armand hatte aufmerksam zugehört und ab und zu an seinem Weinglas genippt.
"Dann wünsche ich euch viel Glück, auch wenn ich nicht die geringste Ahnung habe, was das ganze eigentlich soll", sagte Armand.
"Wenn wir das nur wüssten.. Wir stehen leider genauso ratlos da, wie du", sagte ich und fügte nach kurzem Zögern hinzu: "Ich wollte nur, dass du bescheid weißt."
Armand nickte. "Vielen Dank und viel Glück bei eurer Suche." Er lächelte Morgan zu. Dieser lächelte zurück und sagte höflich: "Danke."
Wir standen auf und gingen aus dem Zimmer.
"So, bis morgen Nacht, dann gehts weiter nach Verdun", sagte ich und wollte gerade gehen, als Morgan mich am Arm packte und sagte: "He warte mal." Ich drehte mich um.
"Wo ist noch gleich mein Zimmer?"
Ich sah ihn verdutzt an. "Weißt du das schon nicht mehr?", fragte ich. Er schüttelte den Kopf. "Na schön, komm mit", murmelte ich und ging vor. Morgan ging mir hinterher, bis zu seinem Zimmer.

.Lestat.

Woher soll ich denn wissen, wo mein Zimmer in diesem stockfinsteren Bau war? Ich kann ja nicht einmal die eigene Hand vor Augen sehen!
Lestat schien das vergessen zu haben. Dennoch brachte er mich bereitwillig dorthin und zündete mir sogar noch eine Kerze an. Wie überaus großzügig.
„Ich wünsche dir einen angenehmen Tag“, sagte Lestat als er das Zimmer wieder verließ. Ich erwiderte nichts, sondern starrte ihm nur feindselig hinterher. Zwar hatte Lestat sich bis jetzt an sein Versprechen gehalten und schien auch nicht geneigt, es zu brechen. Doch das Misstrauen meinerseits, gegenüber allem, was unbekannt und neu war, machte sich immer noch bemerkbar.
Irgendetwas sagte mir allerdings, dass es sowieso keinen Zweck hatte, Argwohn gegenüber den Vampiren zu hegen, da ich ihnen sowohl körperlich als auch geistig (ich nahm zumindest an, dass es so war, auch wenn es sich bis jetzt noch nicht so wirklich gezeigt hatte) unterlegen war. Ich wusste bis vor kurzem ja gar nicht, dass es so was wie Vampire überhaupt gibt. Und meine realistische Weltanschauung wollte sich mit dieser Tatsache erst recht nicht anfreunden.
Insgeheim hoffte ich ja immer noch, dass sich alles als ein böser Traum herausstellen würde, oder dass Lestat und Armand plötzlich in Menschengestalt zur Tür reinstürmten und „Haha, verarscht!“ riefen. Auch wenn ich dann natürlich zutiefst in meinem Stolz verletzt wäre. Mittlerweile überkam mich auch eine leichte Müdigkeit, die mich meine Skrupel vergessen ließ, sodass ich mich auf das Bett legte und die Decke anstarrte.
Fraglich, was uns in den kommenden Nächten noch alles erwartet. Ich runzelte die Stirn. Meinetwegen alles – nur nicht noch mehr von der Sorte „Nachtgestalt“.
Die Worte Parlans kamen mir wieder in den Sinn: „Ihr müsst nach dem Erbe suchen und das Geheimnis lüften... Und zwar an einem Ort, der das pure Grauen widerspiegelt.“
Wenn das nicht nach ’ner ganzen Menge Spaß klang, wusste ich es auch nicht.
Ich beschloss mich mit der Situation anzufreunden, und abzuwarten, was auf mich zukommen würde. Und vielleicht lohnte es sich am Ende sogar die ganzen Strapazen auszuhalten, denn bei dem Erben schien es sich um etwas wahrlich Mächtiges zu handeln. Es war zwar kein Gold, aber solange es im Wert höher lag, war es durchaus begehrlich. Auch wenn mir die äußeren Umstände nicht gefielen, auf welche Art und Weise wir daran gelangen sollten. Vorhin als wir bei Armand saßen, stellte sich mir die Frage, ob dieser nicht vielleicht wusste, um was für ein Wesen es sich bei Parlan handelte. Aber entweder konnte er es selbst nicht beantworten, oder er wollte es nicht.
Ich konnte mir nicht erklären, wie ich darauf kam, doch ich hatte das Gefühl, dass Armand mehr über die Sache wusste, als Lestat ihm erzählt hatte.
‚Wahrscheinlich liegt das daran, dass ich Armand sowieso nicht ausstehen kann’, murmelte ich vor mich hin. Aber vielleicht ist da auch etwas Wahres dran.
Immerhin musste Armand schon seit einigen hundert Jahren auf dieser Erde wandeln und hatte somit bereits so einiges gesehen.
Vielleicht will er sich auch nur aus der Sache raushalten? Unwahrscheinlich. Immerhin ist Lestat sein Schützling. Ich war mir ziemlich sicher, dass Armand ihm helfen würde, wenn es die Umstände zuließen.
Irgendwas hast du doch zu verbergen…
Ehe ich mich total in diesen Gedanken verrennen konnte, löschte ich die Kerze und legte mich zurück aufs Bett, wobei ich meinen Umhang zur Decke umfunktionierte. Ich hatte nicht erwartet, dass ich meinen Schlafrhythmus so schnell ändern konnte.
Jedenfalls schlief ich bereits nach kurzer Zeit ein…

.Morgan.

 

 

Langsam ging ich die schmale Treppe hinunter in meine Gruft. Endlich wieder zu Hause. Dieses viele laufen war ich definitiv nicht gewöhnt. Aber es sollte wahrscheinlich noch viel mehr auf uns zu kommen. Ich wollte gar nicht daran denken. Man konnte mich nicht als faul bezeichnen, aber ich hatte auch nicht wirklich Lust auf dieses „Abenteuer“… Oder vielleicht doch? Vielleicht würde das alles noch ganz anders werden, als ich dachte. Vielleicht würde es mein „Leben“ ja in irgendeiner Weise bereichern. Denn bisher war doch alles Jahrelang immer nur gleich gewesen. Vielleicht…
Ich legte mich in meinen Sarg und dachte nach. Nein Lestat, hör auf rum zu spinnen und mach dir erst recht keine Hoffnungen, dass es dein Ach-so-tolles-Leben bereichern oder verändern könnte. Ich atmete tief durch und schloss die Augen. Bisher war es doch immer das gleiche gewesen. Wir waren verdammt bis in alle Ewigkeiten und mussten irgendwie damit klar kommen. Was blieb uns auch anderes übrig?
I
ch dachte an die Zeit zurück, als ich noch „frisch geborener Vampir“ war. Oh, wie sehr hatte ich doch gelitten… Ich wusste nichts mehr mit mir anzufangen. Das ganze war noch viel schlimmer gewesen, als die Zeit in der ich noch ein Mensch war… Bis ich lernte, mit meinen Opfern zu spielen und sie dann auszusaugen. Das brachte mir dann endlich ein Gefühl des Glückes. Zuerst fand ich es barbarisch und wollte es immer vermeiden – Aber dann begriff ich, dass es sein musste.
„Lestat, hör endlich auf an die alten Zeiten zu denken… Komm damit klar das du ein Vampir bist und somit die Hölle über alle Geschöpfe bringst, denen du begegnest…“, sagte ich mir selber, schob den Deckel über meinen Sarg und schlief schon bald darauf ein…

Pünktlich bei Einbruch der Nacht wachte ich gähnend auf, schob den Deckel des Sarges beiseite und stand langsam auf.
Was uns wohl heute alles in Verdun  erwartet? – Hoffentlich mehr, als in Deveny.
Ich schaute mich um. Armand war schon weg. Und so ging ich rasch die Treppe hinauf. Ich überlegte kurz, ob ich nicht zuerst in den Weinkeller gehen sollte, um zu gucken ob Morgan wieder betrunken irgendwo dort rum lag. Doch dann entschloss ich mich, erst in seinem Zimmer nachzusehen.
Zu seinem Glück war er dort auch vorzufinden. Er war noch immer am schlafen, was mich sehr wunderte. Ich betrat sein Zimmer und schloss die Tür mit ziemlichem Krach. Das störte Morgan jedoch ganz und gar nicht, er schlief seelenruhig weiter und schnarchte dazu auch noch tierisch. Also ging ich zu seinem Bett und schüttelte ihn leicht an der Schulter. „Aufstehen, wir müssen los“, sagte ich. Auch das störte ihn nicht und er machte keine Anstalten, aufzustehen. Ich verdrehte genervt die Augen, schüttelte ihn noch einmal etwas fester und rief: „Na los jetzt! Wir müssen gehen!“
Mit einmal Mal war Morgan hellwach und setzte sich auf. „Was?!“, rief er verwirrt und sah mich fragend an. Arme, verwirrte Menschen…
„Wir müssen jetzt los, nach Verdun“, sagte ich. Nun schien Morgan sich zu erinnern. „Ach ja, stimmt.“ Er stand auf und zog sich seinen Umhang über. „Gut, von mir aus können wir los“, sagte er. Ich nickte und ging aus dem Schloss.

.Lestat.