Fantasy.Rollenspiel
Startseite
Gästebuch
Kontakt
Über...
Charakterbögen Arkanum
Vorgeschichte
Das Arkanum #1
Das Arkanum #2
Das Arkanum #3
Das Arkanum #4
Das Arkanum #5
Das Arkanum #6
Das Arkanum #7
Das Arkanum #8
Das Arkanum #9

 Das Arkanum #4

Gähnend wachte ich bei Einbruch der Nacht auf, schob den Deckel des Sarges zur Seite und stand auf. Ich streckte mich genüsslich und sah nach Armand. Er war noch am schlafen. Daher beschloss ich ihn schlafen zu lassen und schonmal aufzubrechen. Morgan und ich hatten noch einiges zu besprechen. Ach ja - Morgan.. Ich lief die steilen Treppen hinauf um nach Morgan zu suchen. Doch als ich sein Zimme betrat, befand er sich nicht dort. Ich zögerte einen kurzen Moment. Dann zündete ich mir einen Kerze an und lief durch das Schloss. Nachdem ich bereits in vier Zimmern nachgeschaut hatte, und ihn noch immer nicht gefunden hatte, wurde ich sauer. "Verdammt, wo ist der Kerl? Ich habe keine Lust auf so ein Versteckspiel", murmelte ich und suchte ungeduldig noch ein paar weitere Zimmer ab.
Schließlich fiel mir der Raum ein, in dem wir unseren Wein lagerten. Ja, auch Vampire tranken - neben Blut natürlich - gerne mal ein Glas Wein. Ich glaubte zwar kaum, das Morgan sich dort hin verlaufen hatte, aber bei diesen Menschen wusste man ja nie...
Als ich die Tür öffnete, sah ich Morgan auf dem Boden liegen. In seiner Hand eine Flasche Wein. Er schlief tief und fest... Was zum Teufel...?! Ich stellte die Kerze ab und musterte Morgan von oben bis unten. Wenn der jetzt betrunken ist, kann er was erleben!
Unsanft schüttelte ich seinen Arm. "Aufstehn! Na los, wird's bald?!"

.Lestat.

 

Schlaftrunken öffnete ich die Augen, schielte eine Gestalt an, die ich nicht recht einzuordnen vermochte, wollte gerade "Verschwinde und lass mich in Ruhe!" sagen, als mir wieder alles einfiel. Der Brief - das Treffen - Lestat - die Tatsache, dass es Vampire gibt - Armand - das Schloss.
"Freundlicher gings nicht, oder?", sagte ich also stattdessen, rieb mir den Schlaf aus den Augen und stand vorsichtig auf. Es dauerte eine Weile, bis meine Augen sich wieder an das Licht gewöhnt hatten und ich den Umständen entsprechend gut sehen konnte. Lestats Blick nach zu schließen erwartete er eine Erklärung dafür, warum er mich hier auffinden musste; ich blieb sie ihm jedoch schuldig. Anstelle davon streckte ich mich einmal, murmelte etwas von "Scheiß ungemütlich" und fragte Lestat schließlich: "Na, gut geschlafen?"
Diesem war die Sache jedoch keinen Kommentar wert; nichtmal einen vernichtenden Blick warf er mir zu.
Ich zuckte mit den Schultern. "Dann halt nicht... - Guter Wein übrigens. Der scheint hier wohl schon 'ne ganze Zeit lang drin rumzuliegen. Ich bevorzuge ja eigentlich so ein richtig kräftiges Weizen, aber -" Lestats Gesichtausdruck schien mir sagen zu wollen: Sei doch einfach mal still. Es - interessiert - mich - nicht., doch ansonsten ließ er sich nichts anmerken. Das brachte mich aus dem Konzept und ich stockte. "Ist ja auch egal", meinte ich dann letztendlich. "Und nun? Gehen wir wieder in das eine Zimmer um Weiteres zu besprechen?"

.Morgan.

 

Ich schaute Morgan an. Hat der einen an der Waffel oder was?!
Schließlich schüttelte ich bloß seufzend den Kopf. Der Kerl hatte wohl etwas zuviel am Wein genippt... Ich hatte jetzt auch keine Lust ihm zu erklären, dass es unser Wein war und erst recht hatte ich keine Lust ihm bei seinen Erklärungen zuzuhören, warum er sich gerade hier im Weinlagerraum aufhielt.
"Ja... Ja, lass uns wieder in dein Zimmer gehen", murmelte ich und verdrehte die Augen. Dann hob ich die Kerze auf und verließ den Raum.
Vor der Tür blieb ich jedoch stehen und wartete einen Moment lang auf Morgan. Als der jedoch nicht kam, rief ich: "Worauf wartest du?"
Drinnen im Raum hörte man noch ein gemurmel was nach: "Jaja, ich komm ja schon", klang. Sicher war ich mir da allerdings nicht...
Endlich kam er angetrottet. Ich warf ihm einen abfälligen Blick zu und ging in "Morgans Zimmer". Er blieb dicht hinter mir. Ja, häng dich ruhig an meine Fersen, sonst verläufst du dich schon wieder im Schloss.
Im Zimmer angekommen setzten wir uns aufs Bett und schwiegen eine Weile lang. Morgan setzte sich ein ganzes Stück weit weg von mir. Ich sah ihm tief in die Augen um seine Gedanken zu lesen, doch zurzeit waren sie anscheinend ziemlich verwirrt und so konnte ich nichts deutliches erkennen. Nun ja, wie auch immer...
"Also gut, was schlägst du vor?", fragte ich schließlich und riss ihn somit aus seinen wirren Gedanken.

.Lestat.

 

Ich wusste nicht, ob ich positiv oder negativ überrascht war, dass Lestat mich nach meinem Vorschlag fragte, wo er mich doch so offensichtlich für völlig verwirrt hielt. Also beschloss ich, auch ihn zu überraschen, indem ich einen ernsten Gesichtsausdruck aufsetzte und ebenso begann: "Also. Ich fasse jetzt nochmal zusammen: Wir haben einen Brief bekommen, wissen nicht von wem, es geht offensichtlich um irgendein Erbe, der Typ, der den Brief geschrieben hat, heißt Argon, und dass es sich um einen Scherz handelt ist aufgrund der Münzen ausgeschlossen. Offenbar handelt es sich also um eine ernste Angelegenheit." Ich hielt kurz inne. "Der Typ ist nicht erschienen. Entweder er war verhindert..." Ich schüttelte den Kopf und brach den Gedanken ab. "Nee, kann nicht sein. Der hat den Termin ja selbst vorgeschlagen."
Einen Moment grübelte ich. "Vielleicht ist ihm was passiert? Wäre das einzig Plausible, denke ich... Aber... Ich frage mich ja immer noch, wen er mit 'Ahnen' meinte... Sekunde!" Ich stand eben auf, hob meine Tasche vom Boden, kramte kurz darin herum und zog den mittlerweile einige Schäden aufweisenden Brief heraus. Dann setzte ich mich wieder hin, rollte das Schreiben auseinander, überflog kurz die Zeilen und sah auf.
"'Hinterlassenschaften deren Ausmaße euer Verstand sich nicht auszumalen weiß'", zitierte ich und blickte nachdenklich auf das gelbliche Papier. "Das klingt alles so unrealistisch. Und wer sind die 'Verwalter des Nachlasses'? Ist das nicht dieser Kerl, dieser Argon?" Ich machte einen ratlosen Eindruck. "Irgendwas ist doch an der ganzen Sache faul, das ist klar. Ich mein, allein die Tatsache, dass der nicht da war.. Ich könnte mir wirklich vorstellen, dass dem was passiert ist." Plötzlich war ich ganz begeistert von der Idee. "Ich mein, wenn es sich tatsächlich um etwas so Wichtiges handelt, wie es den Anschein macht... Wäre das doch die gefundene Beute für irgendwelche Diebe, oder jemand anderen, der davon Wind bekommen hat." Ich sah noch mal kurz in das Schreiben. "Zumal dieser Argon ja auch nicht sonderlich klug scheint. Er schreibt zwar, dass die Möglichkeit der Nachrichtenübermittlung in Form eines Briefes unsicher ist, schreibt aber trotzdem da rein, was für eine außerordentliche Wichtigkeit das alles hat.
Die beiden Goldstücke hätten doch schon gereicht um das Interesse der Empfänger zu erwecken." Als ich Lestats zweifelnden Blick sah, fügte ich hinzu: "Meins zumindest.
Tatsache ist jedoch, dass wir augenscheinlich keine Ahnung haben, was das zu bedeuten hat, und was wir jetzt tun sollen. Wir wissen ja nicht mal, was wir miteinander zu tun haben. Deswegen würde ich vorschlagen..." Ja, was würde ich denn vorschlagen? "Ich würde vorschlagen, dass wir... vielleicht einfach mal in dem Dorf nachfragen, ob die den Kerl vielleicht kennen. Sie scheinen Fremde zwar nicht zu mögen", ich erinnerte mich daran, wie die Bewohner mich so seltsam angestarrt hatten, "aber vielleicht geben sie trotzdem Auskunft. Oder hast du eine bessere Idee?"

.Morgan.

 

Ich überlegte kurz. "Ja... das wäre zumindest mal einen Versuch wert." Dann ließ ich mir das ganze noch einmal durch den Kopf gehen. "Aber irgendwie...", ich zögerte, "Na ja ich glaube das sollte so sein, dass dieser Argon nicht gekommen ist. Ich schätze mal da steckt irgendetwas hinter, was wir selber herausfinden sollten, sonst wäre es irgendwie viel zu einfach, das ganze." Ich sah Morgan an. "Wenn, dann müsstest du die Leute im Dorf fragen. Ich kann tagsüber nicht hinaus und nachts sind nicht viele Menschen im Dorf unterwegs. Allerdings musst du sie geschickt befragen, denn wie ich diese Narren dort unten kenne, sind sie sehr misstrauisch." Dämliche Menschen dort unten im Dorf... Sie werden Morgan nicht viel Auskunft geben. Sollten sie sich wieder so anstellen, werde ich sie wohl mal besuchen müssen... Ich schmunzelte bei dem Gedanken, meinen Hunger an diesem Volk zu stillen.
Ich stand auf. "Wir könnten ja trotzdem mal eben ins Dorf gehen. In der Taverne werden wir sicher noch auf ein paar Menschen treffen." Ich ging zur Tür. "Zum Glück sieht man Vampiren nicht an, dass sie Vampire sind", ich zwinkerte Morgan zu.
Ich habe Hunger... Hoffentlich kann ich im Dorf unbemerkt ein paar Menschen aussaugen...

.Lestat.




Ich zuckte mit den Schultern und ging in Richtung Tür um zu signalisieren, dass ich einverstanden war. „Meinetwegen. Lass uns gehen.“
Lestat nickte und setzte ebenfalls zum Gehen an.
Bevor ich die Klinke der Tür hinunterdrückte, drehte ich mich noch einmal zu ihm um. „Wo steckt eigentlich Armand?“ Es gab mir ein ungutes Gefühl, nicht zu wissen, an welchem Ort sich Lestats Meister gerade herumtrieb. Allein schon aus Angst vor einer unliebsamen Überraschung, auf die ich dankend verzichten konnte. Durch die nicht gerade stressfreien Ereignisse der letzten vierundzwanzig Stunden, wird sich meine Lebenserwartung mindestens schon mit ein bis zwei Jahren rächen, schätzte ich, doch sonderlich schlimm war die Erkenntnis nicht für mich.
Lestat zog eine Augenbraue hoch. „Na, er wird mit Sicherheit ebenfalls auf die Jagd gehen.“ Er überlegte kurz. „Ich weiß nicht genau, wo. Aber gewiss wird er auch heute nicht auf ein gutes Mahl zu nächtlicher Stunde verzichten.“ Lestat lächelte auf seine süffisant-überhebliche Art. „Genau wie ich.“
Belustigt registrierte er meine eher verhalten begeisterte Reaktion über das, was er mir soeben gesagt hatte. Ich verspürte daraufhin das Bedürfnis, ihm eine reinzuhauen – meine Art, wie man normalerweise unsympathischen Leuten seine Meinung über sie zeigt – doch irgendetwas sagte mir, dass es keine gute Idee wäre, Lestat zu verärgern.
Also atmete ich einmal tief ein, drehte dem Vampir wieder den Rücken zu und ging aus dem Zimmer.
Während wir den Flur entlanggingen, fragte ich Lestat noch, ob er oft hinunter ins Dorf ginge. „Sicher. Du hast doch selbst feststellen müssen, dass das hier nicht gerade das am stärksten besiedelte Gebiet ist. So viele Möglichkeiten habe ich also nicht, um –“ Jetzt labert er wieder. „Um ein bisschen unter die Leute zu kommen.“ Ich konnte seinen Gesichtsausdruck trotz der Dunkelheit zwar nicht erkennen; ich war mir aber ziemlich sicher, dass Lestat zumindest amüsiert in sich hineingrinste. Penner. Wir erreichten die Eingangstür und traten hinaus in die kühle Nacht.

.Morgan.

 

Wie sehr ich doch die Nacht liebte. Manchmal konnte ich weinen. Weinen über die Schönheit der Nacht...
Ein kalter Wind wehte mir durch die Haare und ich sah in den Himmel. Der Mond strahlte uns an. Ein Licht, dass ich ansehen konnte. Es war so schön... Ich ärgerte mich darüber, dass so wenige Leute es schätzten. Sie wissen nicht was es heißt, verdammt zu sein!
Natürlich entging mir nicht, dass Morgan - mal wieder - abfällig über mich gedacht hatte. Was genau, das wusste ich nicht, aber dennoch spürte ich es. Als wir den Weg erreichten, der zum Dorf führte, ging ich an ihm vorbei und murmelte: "Du solltest aufpassen, was du denkst, mein Freund." An seinem Gesichtsausdruck konnte ich erkennen, dass er sehr wohl wusste, was ich meinte. 
"Ich werde mich nun kurz alleine auf den Weg machen. Ich habe Hunger... Wir treffen uns in einer halben Stunde an der Taverne, okay?" Ohne seine Antwort abzuwarten, ging ich los um meinen Hunger zu stillen.

Eine halbe Stunde später machte ich mich gesättigt auf den Weg zur Taverne. Ich sah Morgan schon von weitem vor der Taverne warten.
"Gut, es kann losgehn", sagte ich und betrat die Taverne. Ich hasste sie und versuchte solche Orte zu vermeiden, wo es nur ging. Nur selten ging ich in irgendwelche Gaststätten. Und auch nur dann, wenn zufällig mal kein Mensch auf der einsamen Straße herumlief. Meist lockte ich dann einen Menschen heraus um ihn dann auszusaugen.
In der Taverne spielte Musik, an den Tischen saßen noch einige Menschen vor ihren Bierkrügen und unterhielten sich lautstark. Als ich gerade mit Morgan vorne an die Bar gehen wollte, rempelte mich irgend so ein sturzbetrunkener Idiot heftig von der Seite an. Blitzschnell packte ich ihn am Hals, funkelte ihn wütend an und rief: "Pass auf wo du hinläufst!" Dann schubste ich ihn grob zur Seite und ging weiter. Morgan sah geschockt zu, wie der Mann auf einen Tisch fiel und dieser mit allem was daraufstand, umkippte.
"Lestat!", zischte er mir wütend zu als wir an der Bar angekommen waren, wo ebenfalls noch ein paar Menschen saßen und sich unterhielten.
"Was denn?", fragte ich und tat so, als wär' nichts passiert. Morgan sah mich wütend um und murmelte: "Wenn du so weiter machst können wir es vergessen, hier von irgendjemandem informationen zu bekommen."
"Ach hier merkt doch eh keiner was. Die sind alle schon so zu, da könnte eine Bombe neben ihnen einschlagen und es würde sie nicht stören. Mach dir nicht zu viele Hoffnungen, ich denke sowieso nicht, dass du hier viele Informationen über diesen Kerl bekommst."
Ich warf Morgan einen Blick zu als wolle ich sagen: 'Na dann mach mal schön - frag' jemanden!'

.Lestat.

 

 


Ich lass mich bestimmt nicht von dir unter Druck setzen. Mit aller Ruhe der Welt setzte ich mich auf einen Hocker am Tresen und orderte erstmal ein Weizen. „Das muss einfach sein und irgendwie müssen wir das Gold ja sinnvoll investieren.“
Bei dem Begriff ‚sinnvoll’ verzog Lestat das Gesicht ein wenig, weiter ließ er sich jedoch nichts anmerken. Allerdings war es ohnehin nicht zu übersehen, dass Lestat diese Art der Umgebung nicht gerade schätzte und eher widerwillig setzte er sich neben mich auf einen Hocker. Links neben ihm saß ein offensichtlich begeisterter Alkoholkonsument, der sich wohl ein wenig übernommen hatte und nun mit seinem wuchtigen Oberkörper einen Großteil des Tresens einnahm, um das Ganze erstmal zu verdauen. In seiner rechten Hand hielt er noch einen Bierkrug umklammert.
Lestat schenkte ihm einen angewiderten Seitenblick und rückte mit seinem Hocker ein Stück näher zu mir.
Ich grinste ihn an, hielt mein Weizen hoch und fragte: „Auch eins?“ Ich fügte mit gedämpfter Stimme, den Wirt aus den Augenwinkeln beobachtend, hinzu: „Ist zwar lauwarm und schmeckt wie –“
„Vergiss nicht weswegen wir hier sind“, sagte Lestat ungeduldig und sah mich auffordernd an.
„In Ordnung, ist ja gut.“ Ich stellte den Krug ab, stand auf und ging zu dem Tisch herüber, der wegen Lestats grober Reaktion umgefallen war. Davor kniete eine junge Frau und schrubbte den Boden mit einem ausgefransten Lappen.
Als sie meine Stiefel neben sich erblickte, sah sie auf und funkelte mich böse an. „Wollt ihr noch mehr Ärger machen?“, zischte sie, während sie sich erhob.
Ich hob beschwichtigend die Arme. „Keineswegs, das war nicht beabsichtigt.“ Ich stellte den Tisch wieder auf für sie. „Mein Freund ist solche Etablissements nicht gewohnt.“
Sie schien unbeeindruckt.
„Wir suchen jemanden.“
„Schön.“ Sie wedelte mit der Hand um mir zu signalisieren, dass ich zur Seite gehen sollte, und fing an den Tisch abzuwischen.
„Vielleicht kannst du uns helfen.“ Unterdessen hob ich das Geschirr auf, das von dem Tisch gefallen war und lächelte sie an. Ein bisschen Schleimen hat in solchen Fällen noch nie geschadet.
Offensichtlich hatte ich richtig gedacht, denn die Frau lächelte zögernd zurück und sagte: „Ich kann es ja zumindest versuchen.“ Bevor ich jedoch fragen konnte, sagte sie noch: „Ich erinnere mich an dich. Du warst hier schon zweimal.“
„Ja, das stimmt.“
„Du hattest nach der… nach der Lichtung der… du weißt schon was ich meine – Also du hast danach gefragt.“
Ich nickte. Was war denn so schlimm daran?
„Warum? Wolltest du dorthin gehen?“
Einen Augenblick lang überlegte ich, ob ich ihr das sagen konnte, doch für sonderlich wichtig befand ich diese Information nicht, also nickte ich erneut. „Warum auch nicht?“
Die Frau warf einen hastigen Blick über die Schulter und raunte dann: „Niemand geht dorthin. Niemand.“
Red mal Klartext
„Und wieso nicht? Ich komme nicht von hier. Was sollte dort denn so Schlimmes sein?“ Sie biss sich auf die Lippe. „Es ist zwar nur ein Mythos, aber…“ Sie sah mir beschwörend in die Augen. „Aber sie sagen, dass es dort Vampire gibt.“
Wenn du wüsstest. Ich zuckte kaum merklich zusammen, war mir jedoch sicher, dass sie es nicht bemerkt hatte.
„Nicht, dass ich das glauben würde“, sagte sie schnell. „Doch bisher ist keiner zurückgekehrt, der sich bei Dunkelheit dort hineingewagt hat. Du warst doch noch nicht dort?“
„Äh natürlich nicht. Ich hatte nur so aus Interesse gefragt.“
Sie nickte. „Wenn das so ist. Wen sucht ihr denn?“
„Schon einmal den Namen ‚Argon’ gehört?“ Ich beobachtete ihre Reaktion genau, doch sie sah mich nur ratlos an.
„Nie gehört.“ Sie überlegte noch einen Augenblick. „Nein, wirklich noch nie gehört den Namen.“
Ich seufzte. „Dann, danke für deine Hilfe…“ Ich wollte mich schon wieder abwenden, da hielt sie mich zurück.
„Warte! Wer sollte das sein? Ein Gast aus der Taverne? Kannst du ihn beschreiben?“ Ich hab den Kerl noch nie gesehen, wie sollte ich ihn dann beschreiben können? „Ich weiß es nicht genau. Danke für deine Hilfe.“
Bevor sie etwas erwidern konnte, hatte ich ihr den Rücken zugedreht und ging in Richtung Lestat. Dabei entging mir nicht, wie mich ein Mann mit einem ausgefransten Umhang und einer Pfeife im Mundwinkel zu meiner Linken durchdringend musterte.
Ich ging also wieder zurück zu Lestat und setzte mich neben ihn. „Die konnte mir auch nicht weiterhelfen.“ Ich nahm einen Schluck von meinem mittlerweile mehr als warmen Weizen und stellte fest, dass Lestat, als ich ihn wieder ansah, mir offenbar gar nicht zuhörte, sondern an mir vorbeistarrte zu dem Kerl, der mich so seltsam gemustert hatte.
„Lestat?“

.Morgan.

 

 

"Dieser Mann", murmelte ich, "Warum starrt er uns so an?"
Dieser Kerl war mir mehr als unsympathisch, denn er ließ uns keine Sekunde aus den Augen. Zwischendurch zog er genüsslich an seiner Pfeife und setzte sich schließlich an einen Tisch.
Ich sah, wie Morgan die Schultern zuckte und sagte: "Keine Ahnung. Hab ich mich auch schon gefragt." Er nahm einen weiteren Schluck von seinem Weizen und verzog gleich darauf angewidert das Gesicht.
"Vielleicht kann der uns weiter helfen, denn er kommt nicht von hier...", sagte ich, stand auf und ging langsam auf ihn zu. Ich spürte Morgans fragenden Blick in meinem Rücken.
Am Tisch angekommen, setzte ich eine freundliche Miene auf und sagte höflich: "Guten Abend."
Hoffentlich kommt das einigermaßen gut rüber. Ich verabscheue es, den Menschen gegenüber freundlich zu sein.
Der Mann musterte mich von oben bis unten, sah dann an mir vorbei zu Morgan und schaute mich dann wieder fragend an. "Kann ich euch helfen?", fragte er mit tiefer, rauer Stimme.
Ich setzte mich ohne zu fragen auf den freien Stuhl, gegenüber von ihm und fragte: "Sie kommen nicht von hier, hab' ich recht?"
"Das ist richtig", sagte er knapp, hob die Hand und bestellte sich ein Weizen. Dieses wurde ihm auch sofort gebracht. Er legte seine Pfeife beiseite und nahm ein paar Kräftige Schluckte.
"Also, wie kann ich euch beiden helfen?", fragte der Mann noch einmal und sah an mir vorbei, zu Morgan. Ich drehte mich zu Morgan um. Er schien zu verstehen, nahm seinen Krug in die Hand und schlenderte rüber zu uns.
"Hallo", sagte er freundlich zu dem Mann und setzte sich auf einen weiteren Stuhl, neben mich.
"Haben sie schon einmal den Namen Argon gehört?", fragte ich und sah ihm durchdringend in die Augen. Ich hoffte sehr, dass er uns weiter helfen konnte....

.Lestat.

 


Als Lestat den Namen aussprach, setzte der Mann einen Gesichtsausdruck auf, als hätte man ihm einen Schlag versetzt und er verschluckte sich an seinem Weizen. Er schenkte Lestat einen vernichtenden Blick, stand auf und ging in Richtung Tür. Währenddessen legte er ein paar Münzen auf den Tresen und drehte sich zu uns um, um uns mit einer Geste zu zeigen, dass wir ihm folgen sollten.
Lestat und ich sahen uns verwirrt an, leisteten der stummen Aufforderung jedoch Folge. Ich meinerseits konnte die Taverne erst verlassen, nachdem der stämmige Wirt mich eher unfreundlich darauf hinwies, dass ich noch zu bezahlen hatte.
Einen Augenblick später standen wir in der kühlen Nachtluft. Ich musste ein Stück laufen um Lestat und den Fremden einzuholen, die schon voraus gegangen waren.
Abseits der Taverne blieb der Kerl endlich stehen.
Kopfschüttelnd musterte er Lestat und mich. „Wie wär’s, wenn ihr den Namen noch ein bisschen lauter durch diese Taverne gerufen, oder gleich allen den Brief gezeigt hättet?“ Er seufzte. „Ich dachte es stünde drin, von welcher außerordentlichen Wichtigkeit er sei.“
Er weiß von dem Brief! Er weiß von dem Brief!
„Du weißt von dem Brief!“, stellte ich fest. Mit Höflichkeitsformen hatte ich es noch nie. Und den Typen schien das auch nicht sonderlich zu stören.
„Ach nee, kluges Köpfchen“, sagte er abschätzend. „Und wenn ihr so weiter macht, weiß es bald ganz South Dakota!“
Ich musste seine Bemerkung wohl oder übel übergehen, denn Lestat, der zunächst den Fremden mit seinen Blicken abgetastet hatte, erhob nun die Stimme. „Wer bist du?“ Er machte einen verwirrten Eindruck.
„Mein Name tut hier nichts zur Sache.“ Der Mann sah Lestat durchdringend an. „Und es wäre sehr angebracht, wenn du mich erzählen ließest, anstatt zu versuchen meine Gedanken zu lesen – danke.“
Was war das für ein Kerl? Woher wusste er, dass Lestat ein… Ich bekam schon wieder so ein ungutes Gefühl in der Magengegend.
„Ich werde euch nicht viel sagen können. Nicht jetzt und vor allem nicht hier.“ Mit beschwörendem Blick sagte er: „Das Geheimnis muss gewahrt werden. Je weniger von seiner Existenz erfahren, desto besser.
Weshalb fragt ihr nach Argon? Ihr solltet ihn längst getroffen haben. Habt ihr das nicht?“ „Nein, wir –“
„Ich sehe schon.“ Der Mann überlegte kurz. „Ich muss weiter, aber ich weiß wo man euch helfen kann.“ Er fummelte einen Zettel aus seiner Tasche und drückte ihn mir in die Hand. „Fragt nach ihm. Ich muss jetzt los.“
Auf einmal schien er es sehr eilig zu haben. Er ließ Lestat und mich wortwörtlich im Regen stehen, denn im nächsten Moment prasselte ein warmer frühsommerlicher Regen auf uns nieder.

.Morgan.

 

 

"Jetzt hat er es aber eilig", murmelte ich und sah dem Mann hinterher. Währenddessen faltete Morgan hastig den Zettel auseinander. Ich sah ihm über die Schulter.
"Eine Adresse...", murmelte Morgan nachdenklich.
Ich nickte. "Sieht ganz so aus."
"Aber wo ist.. äh.. Deveny?", fragte Morgan verwirrt.
"Es ist ein ebenso kleiner Ort, wie dieser hier. Nur ein Stückchen weiter im Westen. Nicht weit von hier", sagte ich. Morgan nickte. "Achso."
Ich sah mich um und lächelte zufrieden. "Sehr gut, dann haben wir ja jetzt schonmal einen Anhaltspunkt." Dann zögerte ich kurz, legte einen ernsten Blick auf und fragte: "Aber dieser Typ da.. Woher wusste er von dem Brief? Und woher wusste er, dass ich ein Vampir bin? Wer war dieser Kerl?"
Morgan zuckte die Schultern. "Das wüsste ich auch gern. Er wusste so viel über den Brief.. und wie es schien wusste er auch über den Inhalt des Briefes Bescheid. Sehr seltsam." Ich nickte. Ja, wirklich verdammt seltsam...
"Nun gut, dann wollen wir mal. Ich schlage vor wir schauen mal in Deveny vorbei." Ich sah in den Himmel. "Genug Zeit müssten wir noch haben."
Damit es trotzdem nicht zu knapp wurde, ging ich sofort los. Morgan kam mir hinterher. "Es ist schon ein ganz schönes Stückchen, aber das schaffen wir schon", grinste ich. Um nach Deveny zu kommen, mussten wir durch einen ziemlich dichten und daher recht dunklen Wald. Zum Glück konnte ich im dunkeln ausgezeichnet sehen und hören - was man von Morgan nicht gerade behaupten konnte. Zuerst kam er noch relativ gut klar, doch je tiefer wir in den Wald kamen, desto unsicherer wurde er. Und dann passierte, was passieren musste: Morgan stolperte über einen Stein, krallte sich an meinen Umhang und riss mich mit zu Boden. Sofort sprang er wieder auf, murmelte ein leises: "Huch... Ziemlich dunkel hier..", und ging weiter. Ich rappelte mich auf, klopfte den Dreck von meinem Umhang und ging ebenfalls weiter.
"Dazu muss ich jetzt ja wohl nichts sagen", murmelte ich und warf ihm einen bösen Blick zu. Jetzt wo es dunkel war, funkelten meine roten Augen noch mehr. Morgan sah zu Boden und sagte darauf lieber nichts. Umso besser. Idiot.
Schließlich waren wir aus dem Wald raus und hatten Deveny erreicht. "Also gut, dann mal los", sagte ich und forderte Morgan auf, mir den Zettel zu zeigen. Die darauf aufgeschriebene Adresse suchten wir auf und standen schließlich vor einem alten Haus, dass ziemlich heruntergekommen aussah.

.Lestat.