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Das Arkanum #3
 

Das hat mir ja gerade noch gefehlt..., dachte ich verstimmt und rügte mich im nächsten Moment dafür, dass es ja eigentlich meine Schuld gewesen war und ich schon längst irgendwo in einer vampirlosen Umgebung den Tag hätte schlafend verbringen können.
Und die Vorstellung, auf noch so einen komischen Gesellen. der wie Lestat war, zu treffen, gefiel mir ebenfalls überhaupt nicht. Auch wenn Lestat mir sein Versprechen geben würde, dass der andere Kerl mir nichts tut - auf sein Wort Wert legen, konnte ich nicht. Und würde ich wahrscheinlich auch nie können. Aber was bleibt mir anderes übrig? Zumal verwunderte es mich, dass Lestat meine Idee scheute, wo ich doch, wenn ich alleine in ihrem.. Schloss wäre, viel mehr anrichten könnte, auch wenn mir nicht danach war.
Nachdem ich kurz innerlich mit mir rang, gab ich mich geschlagen. "In Ordnung. Dann lass uns halt zu deinem und Armbands Schloss gehen", sagte ich, und fügte rasch hinzu: "Auf deine Verantwortung." Mir war durch und durch unbehaglich bei der Sache, aber schlimmer konnte es ja eigentlich garnicht mehr kommen.

.Morgan.

 

 

Ich verzog das Gesicht. "Armand, du grünschnabel! Nicht Armband. In seiner Gegenwart solltest du ihn lieber bei seinem richtigen Namen nennen."
Ich schaute noch einmal in den Himmel. "Wir müssen los und zwar sofort! Komm mit", sagte ich und ging vorraus. "Zuerst müssen wir ein bisschen durch den Wald und dann einen steilen Berg hoch. Aber weit ist es nicht", erklärte ich und ging einen schmalen Pfad entlang.
Ich muss Armand klar machen, das er wirklich seine Finger von Morgan lassen muss. Er darf nicht auf dumme Gedanken kommen... Ich sah mich kurz nach Morgan um. Als ich sah das er eine Mücke verscheuchte, konnte ich mir ein grinsen nicht verkneifen. "Wenn wir auf dem Schloss sind, werde ich dir dein Zimmer zeigen. Dort hast du alles was du brauchst. Ich und Armand werden erst einmal schlafen... Ich denke mal das Armand schon zurück ist, also kann ich ihn dir gleich mal vorstellen. Du brauchst keine Angst vor ihm zu haben - er ist zwar noch ein paar Jährchen älter als ich, aber mindestens genauso nett." Jedenfalls solange man auch nett zu ihm ist...
Nun waren wir aus dem Wald heraus gekommen und fingen an, den Berg hoch zu laufen. "Wir müssen uns beeilen", sagte ich und schaute nach oben. "Siehst du, da oben... das ist mein und Armands Schloss", murmelte ich und zeigte auf die Spitze des Berges. Dort war ein großes, dunkles Schloss zu sehen, dass einen großen Schatten warf...

.Lestat.

 

 

Gedankenverloren schlenderte ich in einigem Abstand hinter Lestat her. Der Aufstieg des Berges bereitete mir keine Probleme, denn ich war in einer verhältnismäßig guten Kondition, doch ich wollte die naturräumlichen Eindrücke auf mich wirken lassen. Als ich das Schloss Lestats und Armands erblickte blieb ich erstmal stehen und betrachtete es. Es lag oben auf der Spitze des Berges und war meines Erachtens mehr eine Burg, denn ein Schloss. Das Gemäuer war dunkel und gezeichnet durch den Kampf mit der Zeit. Es schien auf jeden Fall schon einer älteren Generation anzugehören. Einige Steine waren bereits herausgebrochen, und an der ein oder anderen Stelle machte die Mauer keinen sonderlich stabilen Eindruck mehr. Der Architekt des "Schlosses" schien eindeutig mehr auf die Konstruktionstabilität und Widerstandsfähigkeit gesetzt zu haben, als auf die künsterischen Aspekte. Nicht übel. Doch gleichzeitig strahlte der verwitterte Zustand auch etwas Unheimliches aus.. Wirklich, der ideale Wohnort für einen Vampir.
Lestat war bereits etwas vorgelaufen, blickte sich um und sah mich in einiger Entfernung hinter sich stehen und das Schloss begutachten. Ich nahm seine angernervte Haltung nur bedingt wahr, und setzte mich trotzdem wieder langsam in Bewegung. Lestat hatte sich seinerseits auch wieder umgedreht und eilte nun mit raschen Schritten vorraus. Die Zeit rechtzeitig das Schloss zu erreichen, wurde für ihn langsam knapp. Während er also einen Laufschritt ansetzte, ging ich weiterhin gemütlich einige Meter hinter ihm her.

.Morgan.

 

 

Ich war schon fast da, als ich mich noch einmal schnell umdrehte und Morgan verärgert zurief: "Na komm schon, wirds bald?" Dann lief ich zum Eingang, öffnete die große, schwere Tür und ging langsam hinein. Die schützende Dunkelheit umgab mich und endlich fühlte ich mich wieder sicher. Erleichtert atmete ich aus.
Endlich war auch Morgan gekommen und kam zögernd herein. "Willkommen", sagte ich und schloss die Tür hinter ihm. Ich merkte, dass es Morgan schwer fiel im dunkeln zu sehen, also holte ich eine Packung Streichhölzer aus meiner Manteltasche und zündete einige Kerzen an. Dann ging ich ins "Wohnzimmer", wo ein Tisch, eine alte staubige Couch und ein Kamin stand. Morgan folgte mir.
"Fühl dich ganz wie zu Hause", sagte ich lächelnd und zündete den Kamin an, der Licht und Wärme spendete.
"Aber, dass Licht...", begann Morgan, doch ich unterbrach ihn: "Feuer ist künstliches Licht. Wir Vampire haben Feuer sogar ganz gerne. Durch die Art können wir es hell und warm haben, ohne gleich daran zu verrecken." Ich lachte und Morgan nickte. Als ich gerade ein paar weitere Kerzen anzündete, sah ich, dass Morgan sich ein paar Gemälde an der Wand anschaute. Eines zeigte das Schloss, als es noch in recht guter Verfassung war. Ich setzte mich auf die Couch und beobachtete Morgan. Zum Glück kam in das Schloss kein einziger Sonnenstrahl hinein.

.Lestat.

 

 

An der Wand hingen ein paar - wie ich zugeben musste - wunderschöne und eindrucksvolle Malereien, die das Schloss und die Umgebung in ihrer einstigen Blüte zeigten. Auch wenn man es mir nicht ansah, hatte ich einen ausgeprägten Sinn für Kunst, und so kam ich nicht drum herum, die Werke eingehender zu betrachten. Zu meiner Enttäuschung hatte der Urheber keine Signatur auf dem Bild hinterlassen, doch das war für mittelalterliche Werke nicht unüblich, da sie meist im Auftrag angefertigt wurden. "Manierismus und Barock", murmelte ich ganz in Gedanken. "16. Jahrhundert bis heute." Der Künstler war mit viel Liebe zum Detail an das Malen dieser Bilder herangegangen und hatte Beeindruckendes geschaffen. Neben dem Schlossbild konnte man in einem Gemälde seine nähere Landschaft erkennen. Im Hintergrund sah ich sogar den Wald, in dem sich die Lichtung der Seligen befand, von der aus wir gekommen waren. Zur damaligen Zeit schien er noch kleiner zu sein. Ein anderes Gemälde war das Bildnis einer offensichtlich recht wohlhabenden Familie, wie man von der Kleidung, die sie trugen, schließen konnte. Vielleicht waren das die einstigen Bewohner dieses Schlosses, überlegte ich.
Schließlich wendete ich den Blick von den Gemälden ab, bevor ich mich völlig in ihnen verlor. Dabei wär es mir eigentlich lieber gewesen, meine Aufmerksamkeit weiter den Bildern zu schenken, denn abgesehen von ihnen, fand ich den Raum nicht sonderlich ansprechend.
Kaltes Gemäuer starrte mir von allen Seiten entgegen und ließ die ohnehin schon kühle Temperatur scheinbar noch mehr sinken. Auch sorgte das Licht der von Lestat entzündeten Kerzen für eine schaurige Atmosphäre, die mir ganz und garnicht gefiel. Ich merkte einen unangenehmen Anflug meiner Raumangst, den ich mir eigentlich nicht erklären konnte, da der Raum groß war, und die Decke hoch. Dennoch war da dieses beginnende Kribbeln in meinen Beinen und ich befand, dass es besser war sich hinzusetzen. Irgendetwas hielt mich jedoch davon ab, mich neben Lestat auf die Couch zu setzen, der mich wieder mit diesem seltsamen Blick aus seinen roten Augen ansah.
Statt also zu ihm hinzugehen, lief ich zu dem schweren Holztisch und lehnte mich dagegen. Dann nahm ich meine Tasche herunter, legte sie auf den Boden und sah Lestat an. "Sehr.. nett hier." Lestat zog eine Augenbraue hoch und er sah aus, als wollte er das kommentieren, beließ es jedoch dabei.
"Und nun? Stellst du mir jetzt deinen Freund vor, oder zeigst du mir das Zimmer?" Nein, ich war ja garnicht ungeduldig.

.Morgan.

 

 

"Ich werde dir vorerst das Schloss zeigen. Vielleicht ist Armand schon am schlafen." Ich ging voraus ins nächste Zimmer. Dieses war noch kahler und kälter. Es hingen ein paar Bilder an der Wand, die aber nichts besonderes waren. Außerdem standen ein paar Regale voll mit Büchern drin, da. Ich beobachtete, wie Morgan sich die Bücher ansah.
Nach einer Zeit sagte ich: "Komm mit, ich zeige dir noch das restliche Schloss. Die Bücher kannst du dir von mir aus den ganzen Tag noch ansehen." Morgan nickte und so führte ich ihn ins nächste Zimmer. "Das hier", ich bat ihn hinein, "ist dein Zimmer." In dem Zimmer stand ein großes Bett, ein weiteres Regal mit einigen - eher unwichtigen - Büchern, zwei Bildern an der Wand und einem kleinen Nachttisch. "Fühl dich ganz wie zu Hause", sagte ich höflich und beobachtet Morgan dabei, wie er sich in seinem Zimmer umschaute.
"Der Rest des Schlosses ist eher unwichtig. Nichts besonderes... Und eine Etage tiefer, sind die Särge von Armand und mir."

.Lestat.

 

 

Eins wusste ich ganz gewiss - in diesem Schloss würde ich kein Auge zumachen können.
"Mein" Zimmer wirkte auf mich durch seine kalte Art abweisend und fast noch ungemütlicher als die anderen Zimmer. Nicht einmal die Bilder verliehen ihm einen persönlichen Flair. Lestats 'Fühl dich hier ganz wie zuhause' hatten für mich einen beinahe höhnischen Klang, auch wenn ich das Gefühl hatte, dass Lestat es aufrichtig meinte.
Ich setzte mich aufs Bett. "Echt toll hier." Morgan, du bist ein schlechter Lügner. Lestat lächelte mitleidig. Der muss mich für 'nen kompletten Vollidioten halten... Aber - wen interessierts?
Auch wenn mir eigentlich kalt war, legte ich meinen Umhang ab, um nicht vollkommen unhöflich zu wirken. Achtlos platzierte ich ihn auf dem Boden vor dem Bett. Ich fröstelte. Ist doch schon n' ganzes Stück kälter. Egal. Ich werds schon überleben.
Ich versuchte einen einigermaßen freundlichen Gesichtsausdruck aufzusetzen, was mir eher schlecht als recht gelang und sah Lestat an.

.Morgan.

 

 

Gerade wollte ich ihm vorschlagen, wie wir in der nächsten Nacht vorgehen würden, da hörte ich wie die Eingangstür geschlossen wurde.
"Oh, das muss Armand sein", sagte ich und lächelte. Morgan schien ziemlich nervös zu sein. Ich ging kurz aus dem Zimmer um zu sehen, ob es auch wirklich Armand war. Ja - natürlich war es Armand, wer auch sonst?
"Hallo Armand. Und? Erfolgreiche "Jagd" gemacht?", ich grinste meinen Schöpfer an. Armand nickte. "Oh ja, sicher doch." Dann stockte er und rümpfte die Nase. "Hier riecht es so komisch...", bemerkte er und sah mich fragend an. Ich zögerte. Armand und ich standen auf dem Flur, kurz vor Morgans Zimmer. Er konnte also jedes Wort mithören.
"Ich habe einen Menschen mitgebracht", sagte ich und sah Armand an.
"Einen Menschen? Mit auf unser Schloss? Und - aus welchem Grund, wenn ich fragen darf?", fragte Armand verärgert. Dann erklärte ich ihm die ganze Sache, mit dem Brief, dem Treffen usw.
Er nickte verständnisvoll. "Na schön...", murmelte er und wollte gerade in Morgans Zimmer gehen, um sich Morgan mal genauer anzusehen, als ich ihn stoppte und sagte: "Armand, du darfst ihm nichts tun! Versuch dich zusammen zu reißen!" Ich funkelte ihn aus meinen roten Augen böse an.
Armand lachte. "Lestat mein Freund, keine Sorge. Ich doch nicht", er zwinkerte mir zu.
"Armand!", rief ich verärgert.
"Ich werde ihm nichts tun - Versprochen!", versprach er und fügte hinzu: "Gut das ich vorhin noch einen Menschen mehr als üblich ausgesaugt habe." Ich musste unwillkürlich grinsen.
Dann gingen wir gemeinsam in Morgans Zimmer. Morgan saß noch immer auf dem großen Bett und starrte Armand an.
Armand musterte Morgan von oben bis unten, reichte ihm dann seine Hand und sagte höflich: "Willkommen auf unseren Schloss. Mein Name ist Armand."

.Lestat.

 

 

Auch wenn ich nicht gedacht hätte, dass es möglich wäre - aber Armand war mir tatsächlich noch unsympathischer als Lestat.
Vor mir stand eine leichenblasse Gestalt mit langen braunen Haaren, die zusammengebunden waren. Die Augen Armands hatten dieselbe rote Färbung, wie die Lestats, und sein Gesicht - man konnte es nicht als hässlich bezeichnen, doch auf mich wirkte es durch seine unnatürliche Makellosigkeit beinahe abstoßend. Und arrogant. Aber das war mir bereits bei Lestat aufgefallen, dass Vampire offensichtlich zu Überheblichkeit neigten.
Als er mir seine Hand reichte, die ich mehr aus Routine ergriff, als dass ich mir darüber bewusst war, erschauerte ich erneut. So kalt wie die einer Leiche. Ich ertrug diesen unangenehmen Händedruck noch, bis Armand seine biedere Begrüßungsfloskel beendet hatte, und zog meine Hand dann wohl etwas zu schnell zurück, denn Armand sah mich mit einem Welch-unkultiviertes-Verhalten!-Blick an. Snob.
Und ob Lestats Schöpfer wirklich zu trauen war, wusste ich auch nicht. Im Grunde genommen genausowenig, wie ich weiß, dass Lestat zu trauen ist.
Warum ausgerechnet ich?
Doch Zeit, um in Selbstmitleid zu zerfließen, hatte ich nicht.
"Ich bin Morgan, wie du ja bereits weißt", sagte ich schließlich, um es mir mit Armand nicht völlig zu verscherzen. Ich setzte ein falsches Lächeln auf, das eigentlich freundlich wirken sollte. "Es ist mir eine Ehre." Und was für eine...

.Morgan.

 

 

"Ganz meinerseits, Morgan", sagte Armand und beobachtete Morgan bei jeder Bewegung ganz genau.
Stille.
"Also gut", sagte ich um die Stille zu brechen, "Es ist wohl besser, wenn ich jetzt schlafen gehe. Wir haben morgen Nacht viel vor uns." Als ich in Morgans Gesicht sah und in seine Augen starrte, wusste ich genau was er gerade dachte: Lass mich jetzt bloß nicht mit diesem Armand alleine! Aber etwas zu Armand zu sagen, war gar nicht nötig denn er meinte: "Ja, ich werde mich jetzt auch wieder zurückziehen und schlafen." Dann wandte er sich Morgan zu, gab ihm erneut die Hand und sagte: "Also dann, wir sehen uns sicher morgen Nacht noch." Seine Stimme klang freundlich und ich wusste, dass dieser Satz nicht bedrohlich klingen sollte - was er meiner Meinung nach auch nicht tat. Morgan war sich da wohl nicht ganz sicher, denn ich spürte das er gemischte Gefühle hatte.
"Ja, bestimmt", hatte Morgan gesagt, ihm die Hand geschüttelt und sich zurück aufs Bett gesetzt. Daraufhin ging Armand aus dem Zimmer und geradewegs die schmale Treppe hinab, die zu seinem Zimmer - in dem sein Sarg stand, führte.
Ich sah Morgan erwartungsvoll an. "Ich hab dir doch gleich gesagt, dass Armand mindestens genauso nett ist, wie ich." Ein grinsen konnte ich mir nicht verkneifen.

.Lestat.

 

 

"Ja, echt total.. nett und.. sympathisch - wie du", sagte ich und bemühte mich nicht einmal darum, den sarkastischen Unterton in meiner Stimme zu verbergen.
Lestats Augen blickten mich darauf abschätzend an, und er wandte sich zum gehen um. "Gehab dich wohl", sagte er zum Abschied; ich schwieg nur, und sah wie er die Türe hinter sich schloss, während ich überlegte, ob ich es nun besser fand, alleine zu sein, oder in Anwesenheit des Vampirs.
Ich legte mich hin und starrte eine kurze Weile die Zimmerdecke an. Jetzt, wo ich lag, verspürte ich nicht einmal einen Anflug von Müdigkeit, sondern wurde auch mit dem Beginn des Tages wieder munter. Auch, wenn nichts in dem Zimmer darauf hindeutete, denn es war fensterlos und wurde nur von ein paar Kerzen erleuchtet. Sechs müsste es jetzt sein, schätzte ich. Gut eine Stunde nach Sonnenaufgang. Auf meinen Zeitsinn war stets Verlass.
Als mir das sinnlose Decke-Anstarren nach ein paar Minuten zu langweilig wurde, stand ich auf und ging hinüber zu dem Regal. Es befanden sich einige Bücher darin, die größtenteils eine Fingerbreite an Dicke nicht überschritten. Sie waren von einer Staubschicht bedeckt und sahen von ihrem Zustand her nicht so aus, als wären sie sonderlich teuer oder hätten einen wichtigen Inhalt.
Ich zog eines hinaus, und stellte fest, dass es noch von Hand geschrieben war. Es musste dort also schon seit geraumer Zeit liegen, denn die Erfindung des Buchdrucks lag schon einige Jahre zurück, auch wenn sie in Amerika noch nicht allzu große Verbreitung fand. Langweilig.
Allgemein wurde mir irgendwie langweilig in diesem kleinen Zimmer. Ich legte mich noch einmal kurz aufs Bett, um herauszufinden, ob ich tatsächlich noch nicht müde war, doch ich war direkt wieder geneigt aufzustehen. Ich blieb noch ein paar Minuten auf dem Bett sitzen, die gegenüberliegende Wand anstarrend, doch auch das war nicht wirklich erfüllend. Dann ging ich im Zimmer auf und ab, blieb schließlich vor den beiden Bildern stehen, und betrachtete sie eingehender.
Auf dem einen war eine Frau mit langem blonden Haar portraitiert. Sie machte einen abwesenden Eindruck, und ihre Begeisterung über das Gemaltwerden war offensichtlich eher gering. Das schien zumindest ihr Gesicht zu sagen. Auch der Künstler musste wenig Lust aufs Malen gehabt haben, denn ich entdeckte einige Stellen, die mehr als unsauber aufgetragen worden waren.
Auf dem anderen Gemälde war wieder die eine Familie zu sehen in derselben Haltung und derselben Kleidung, wie auf dem Bild aus dem anderen Raum. Offensichtlich eine Kopie. Eine schlechte Kopie.
Um halb Sieben wurden mir die beiden Bilder dann auch zu uninteressant, und mir wurde bewusst, dass ich niemals den ganzen Tag in diesem dunklen Zimmer ausharren konnte. Schau ich mir halt das Schloss noch ein bisschen genauer an. Auch wenn Armand und Lestat wahrscheinlich nicht so begeistert darüber sein werden, aber verhindern können sie es ja auch nicht, wenn sie schlafen. Und Lestat hatte auch nichts davon erwähnt, dass es mir untersagt wäre, mich hier umzuschauen.
Ich streifte mir wieder meinen Umhang über, ging zur Tür und öffnete sie vorsichtig. Es knarrte laut und ich verzog das Gesicht. Oh man, muss ganz schön alt sein.. In diesem Moment fiel mir nicht auf, dass, als Lestat die Tür geschlossen hat, es nicht geknarrt hatte.
Ich ging ein paar Schritte auf den Flur hinaus und fluchte laut, als ich über einen am Boden liegenden Gegenstand stolperte. Der Flur lag komplett im Dunkeln und nur die Stelle an meinem Zimmer wurde von dem Licht der Kerzen, das bis dorthin drang, erhellt. Dadurch kam mir auch die Idee. Ich ging zurück, nahm die Kerze vom Nachttisch und trat wieder hinaus. Jetzt sah ich auch, dass der Gegenstand, über den ich gestolpert war, offenbar ein Stück Blech oder Ähnliches war. Was macht denn das hier? Ich bückte mich danach und hob es auf. Es war verbogen und was es damals in unversehrtem Zustand darstellen sollte, war nicht mehr zu erkennen. Auch egal. Achtlos warf ich es wieder auf den Boden und überlegte, in welche Richtung ich denn nun gehen sollte. Schließlich entschied ich mich für links und ging den Gang entlang.
Die Mauern waren auch hier kahl und nackt und wurden zwischendurch von schweren Türen mit Eisenbeschlägen unterbrochen. Echt - gemütliche Atmosphäre hier, dachte ich und verdrehte die Augen. Wahllos öffnete ich eine Tür und schaute neugierig, was sich hinter ihr verbarg. Dementsprechend enttäuscht war ich auch, als ich sah, dass der Raum dort fast leer war. Bis auf eine dicke Staubschicht und Spinnenweben war nichts Bemerkenswertes zu erwähnen.
Ich schloss die Tür wieder und ging weiter.
Derselbe Anblick erwartete mich schließlich auch hinter diversen anderen Türen, die ich öffnete, und ein wenig missmutig stand ich wenig später wieder vor meiner Zimmertür (ja, es dauerte seine Zeit, bis ich die wieder gefunden hatte), nachdem ich das Ende des Ganges erreicht hatte. Dort war eine Treppe gewesen, die nach unten - also in den Keller führte. Und das war wohl momentan so ziemlich der letzte Ort, an dem ich zu sein wünschte.
Jetzt, wo ich wieder bei meinem Zimmer stand, überkam mich ein sehr menschliches Bedürfnis - Hunger. Und den würde ich mit Sicherheit auf andere Weise stillen, als Lestat und Armand es zu tun pflegten.
Ich ging den Gang nach rechts runter, ließ einmal fast die Kerze fallen, weil das Wachs mir auf die Hand getropft war, doch schließlich kam ich auch dort unversehrt an. Schon komisch, dass hier wirklich überhaupt keine Fenster sind. Ich fragte mich, ob es hier wohl auch so etwas wie eine Küche gab. Na selbst wenn, viel damit anfangen, werde ich ich ja wohl nicht können.
Ich lief noch ein wenig herum, sah mir ein paar Räume an, bis mir dann dummerweise die Kerze herunterfiel und erlosch. Auch das noch.
Mehr schlecht als recht tastete ich mich zum Ausgang des Schlosses und atmete erleichtert auf, als ich endlich wieder im Freien stand und aus dem unangenehmen Dämmerlicht entfliehen konnte.
Den größten Teil des Tages verbrachte ich nun damit, wieder zu dem einen Dorf zu laufen, dort etwas zu essen, und wieder zurück zu laufen. Mir fiel auf, dass die Menschen mich dort noch komischer anstarrten, als es gestern der Fall war. Fast als wären sie nahezu überrascht, mich noch einmal auftauchen zu sehen. Ich kümmerte mich jedoch nicht weiter darum, aß in der Taverne und machte mich wieder auf den Weg zurück.
Es musste Nachmittag sein. Die 5. Stunde des Mittags, stellte ich nach einem kurzen Blick in den Himmel fest, als ich wieder vor dem Schloss stand. Es hatte einige Zeit gedauert, bis ich den Weg dorthin wieder gefunden hatte, denn der war nicht leicht zu merken. Doch glücklicherweise konnte ich mich auf meinen ausgezeichneten Orientierungssinn verlassen und kam doch noch wohlbehalten dort an. Dann hab ich jetzt ja noch ein bisschen Zeit... Was soll ich tun?
Ich betrat wieder das Schloss - ohne Licht jedoch, und so kam es, dass ich mich nach kurzer Zeit nicht mehr zurecht fand, und nicht wusste, wo ich war. Ich tastete mich an der Wand entlang, bis ich wieder auf eine Tür traf. Ich stieß sie auf und mir schlug der Geruch eines mir seehr gut bekannten Getränks entgegen. Wein? Und der nichtmal im Keller? Ich wunderte mich und ging vorsichtig weiter vorwärts.
Ich stieß nicht nur einmal gegen ein Fass, sondern schmiss auch beinahe ein ganzes Regal um, auf dem sich Behältnisse mit dem Getränk befanden. Im letzten Moment fing ich eine für diese Zeit schon recht ordentlich geblasene Flasche auf. "Bin mal gespannt, ob der Wein hier genauso gut ist wie in Montana." Ich ging davon aus, dass Vampire sowieso keinen Wein tranken, dafür hatten sie ja.. Blut, und dass die beiden "Hausherren" sich demnach nicht über den Verlust beklagen würden.
Ich setzte mich auf den Boden, trank ein bisschen von dem Zeug, das wirklich nicht übel schmeckte, und döste schließlich ein. Ob das nun am Wein lag, oder allgemein an dem Schlafentzug konnte ich nicht sagen, auf jeden Fall merkte ich nicht mehr viel, bis ich völlig weg war.

.Morgan.